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Wenn man sich öffnet, kann man auch

etwas empfangen.

 

 

Kapitel 5 Interne Mechanismen - Teil 1

 

Das „Bauchgefühl“ und das „Herz“ 

- vom Verändern des inneren Menschen.

 


Laßt euch nicht durch verschiedenartige und fremde Lehren
fortreißen; denn es ist vortrefflich,
daß das Herz durch unverdiente Güte Festigkeit erhalte...

- Hebräer 13:9 ("NWÜ") -

 


Im Laufe der Erstellung dieses Kapitels ist klar geworden, dass es unzählige Faktoren gibt, welche sich gegenseitig beeinflussen und voneinander Abhängig sind, wenn es um die Frage des genauen Vorganges geht, wie und warum ein Mensch sich innerlich so verändert, das er letztlich „bereitwillig“ sich den Zeugen Jehovas anschließen mag.

Im ->"Prolog" hatte ich schon einiges betrachtet.

 

Eine universelle Sprache wäre natürlich die der Psychologie mit ihrer Grundlage für die Beschreibungen solcher Vorgänge im inneren Menschen, welche aber auch mit Fachbegriffen bespickt wäre, was dieses sensible Thema durchaus wissenschaftlich formuliert abhandeln könnte.

Mir ist klar das es bereits existente ->Instanzenmodelle für den inneren Menschen gibt, sowie Formulierungen aus anderen Bereichen der Psychologie, wie derer Grundbereichen die ->Biologische Psychologie und ->Sozialpsychologie.

Zur Jehovas Zeugen Thematik müsste man auch noch Teilaspekte aus der ->Sprachpsychologie mit einbeziehen, der ->Neurolinguistischen Psychologie (keine anerkannte wissenschaftliche Vorgehensweise aber dennoch relevant in der ZJ-Thematik), damit verbunden die jeweiligen wissenschaftliche Bereiche der ->Sprachwissenschaft wie zum Beispiel die ->Kognitionswissenschaft oder ->Psycholinguistik sowie vielen weiteren Bereichen, wo es garantiert studierte Menschen gibt die sich jeweils viel besser in ihrem jeweilig fachlichem Milieu auskennen wie ich. Was die Zeugen Jehovas Thematik angeht bin ich einem solchen widerum voraus.

 

Aus dem Wunsch heraus auch eine möglichst weite Zielgruppe mit diesen Informationen zu erreichen, wird zur weiteren Klärung der hier behandelten Themen eine menschlich nachvollziehbare Erklärung vorgezogen, um die Dinge beim Namen zu nennen.

Für Interessenten psychologischer und wissenschaftlicher Natur werde ich aber gewisse Verlinkungen einsetzen, wo ich für weitere gute Tipps dankbar bin.


Für das menschlich Nachvollziehen können dieser Seiten ist es nicht erforderlich jeden link bis zum bitteren Ende durchzulesen. Das halte ich auch nicht für jeden Aussteiger für ratsam, da ein Ausstieg an sich schon genug Stress sein kann.

 

Wer aber dennoch nachvollziehen möchte mit welchem psychologischen und wissenschaftlichem Kontext ich mich beschäftigt habe, woraus ich dann jeweils Wissensstränge auf die ZJ-Thematik übertragen habe, für den sind die Verlinkungen eher geeignet. 

Ich habe sie nur nicht weiterhin blau gefärbt, um den Lesefluss nicht noch weiter zu bremsen.

5.1. Der Mensch, das "mehrdimensionale" Wesen

(Der nun hier folgende Abschnitt enthält u.a. auch Grundwissen für die Thematik Suggestions- und Manipulationstechniken.)
 

Wichtig ist hierbei zunächst den Menschen als ein Ganzes zu betrachten wo...
 

... der Leib (der Körper als biologische Lebensform an sich mit seinen Bedürfnissen und Trieben, das Geschlecht und dessen Auswikung auf die Psyche, aber auch das Nervenkostüm sowie die unbewussten Mechanismen, Wahrnehmung der Sinne)
 

... das ->Unterbewusstsein (es umschreibt jeglichen unkontrollierbaren Vorgang eines körperlichen, emotionalen Prozesses, was auch die innerlichen Informationsfilter betrifft und die unbewusste Wahrnehmung aus dem Fokus nimmt. Hier werden auch die suggestiv ausgelöste Vorgänge des Denkens umgesetzt, da auch solch unbewusst initiierte Vorgänge es sind, die dem Verstand einen Sinn liefern)
 

... der Verstand (Bewusstes verarbeiten von den biologisch gegebenen und selbst erstellten Informationen, Wissen, Bilden einer Meinung, Konstruktives Denken, Lernfähigkeit, Intelli-genz, Phantasie, Logik, Zeitwahrnehmung, inklusiver seiner Wahrnehmung
von Informationen unbewusst gesetzter Prioritäten, Selbstwahrnehmung)

 

... aber auch die Gefühlswelt (Emotionen und derer Bedürfnisse, emotionale Wahrnehmung, aber auch die damit verbundenen Denkprozesse)

...eine Einheit bilden (Vollständigkeit wurde hier nicht angestrebt). Der Mensch ist ein viel-schichtiges, mehrdimensionales Wesen, gebündelt in einer biologischen Einheit.

Zugegeben:

Diese obige Auflistung wird man so im Internet außer hier kaum finden.

Biologie, Psyche und Ratio als Oberbegriffe, da würden mir die meisten zustimmen.

Die Gefühlswelt habe ich aber für die ZJ-Thematik ganz bewusst seperat mit angeführt, auch wenn es rein wissenschaftlich für sie gar keine eigene Ebene besitzt, im eigentlichen Sinne, sondern sich auf den anderen drei aufgeteilt wiederfindet.

Doch Emotionen haben eine in sich verborgene Kraft, welche sogar Grundmotivationen in ihren Grundfesten erschüttern können, was in der Thematik mehr als offensichtlich ist, ja gar ein Schwerpunkt, wenn vielleicht auch erstmal nur unbewusster Natur.

Daher erhebe ich in dieser Thematik Einspruch und gebe den Emotionen eine eigene Ebene im Menschsein: Die Gefühlswelt.

 

(Umfassende Sichten aus Wissenschaft und Psychologie zum Thema hier: ->Emotionen.)

Ich muss anmerken, dass diese vier Ebenen immer irgendwie miteinander zusammenhängen. Aber auch das es nicht leicht ist, von einer Ebene zur anderen, eine klare Grenzen zu bilden.
Denn auch wenn man meint eine Abfrage nur auf Verstandesebene zu liefern (1+1=?) so sind viele unbewusste Mechanismen bio-chemischer Natur dazu nötig um diesen Prozess überhaupt mit Erfolg abzuschließen (Zugriff auf entsprechender Gehirnpartie, Aufrufen von Wissen, die Nutzung neuraler Bahnen, etc. etc.)

 

Wenn man sich das einmal bewusst macht, dass das bewusste Denken nur aufgrund weiterer unbewusster Prozesse und diese auch nur aufgrund gut funktionierender biolchemischer Abläufe möglich sind, wird verdeutlicht das es nichts am Menschen gibt, was er allein aufgrund seines Verstandes zu verdanken hätte. Ohne einer funktionieren Biologie, sowie das in ihr enthaltene Unterbewusstseins, gäbe es unseren Verstand gar nicht, bzw. uns würden die Grundlagen fehlen einen solchen benennen zu können.
 

Gedanken wiederum werden von Emotionen beeinflusst – Emotionen sind auch wiederum biolchemisch ermöglichte Vorgänge (siehe auch->Hormone und die Emotionen), welche man jedoch im Alltag nicht als solche bezeichnen würde, was diese aber letztlich auf ihrer entsprechenden Funktionsebene sind.

Die Auslöser bestimmter Emotionen sind auch nicht die Hormone selbst, sonst wären Emotionen ein unkalkulierbares und meist unangebrachtes Phänomen wo z.B. auf Beerdigungen gelacht wird. Die Auslöser sind der Wahrnehmung entnehmbare Ereignisse, meist Empathie bedingt und erst der Mensch selbst regiert gemäß der ihm angenommenen Prägungen entsprechend emotional.

Was bleibt ist, dass der Mensch an sich eine Einheit von vielen weiteren Facetten und Aspekten ihrer jeweiligen Natur sind, welche man in sich weiter unterteilen müsste, um bestimmte Vorgänge genauer beschreiben zu können.

Der Mensch kann dann auf jeder dieser oben erwähnten Ebenen erreicht werden:
 

Informationen erreichen den Verstand, das Unterbewusstsein und die Gefühlsebene.
Eine Mahlzeit nimmt Zugriff auf die körperliche Wahrnehmung, beeinflusst aber auch das emotionale Wohlbefinden.

Ein „liebes Wort“ spricht den Verstand, aber auch die Gefühlsebene an, was wiederum
auch psychosomatisches Wohlbefinden auslösen kann.

Usw.

Das bedeutet wiederum das es unzählige Faktoren gibt wo wir alle gleich sind, was alle Menschen haben, und obwohl wir alle verschieden sind, miteinander verbindet.

Weil das „Prinzip Mensch“ bei jedem auf die selben gegebenen unbewussten Mechanismen basiert, aber alle mit und auf denselben angedeuteten Ebenen so gut funktionieren wie wir auch nur können.

"Jeder Jeck" ist zwar anders, aber "unser aller Blut ist rot".

Zwei dieser Ebenen sind immer aktiv wo man sich nichts tun kann, wo nicht mindestens diese dran beteiligt sind, solange wir leben:
Die körperliche Ebene und das Unterbewusstsein - immer aktiv, selbst imSchlaf.

Aber das nur mal am Rande.

Was hat das alles mit der Frage zu tun, wieso ein Mensch ein ZJ werden möchte?
 

Wenn ein Mensch sich anpasst und verändert, wie das Anpassen an eine Gruppierung,

dann verändert sich ein Mensch eben in dieser (angedeuteten) komplexen Gesamtheit.


Ein Mensch der durch eine Übernahme des Gedankenguts von anderen verändert wird,

der wird auch biologisch verändert, weil die grauen Zellen des Langzeitspeichers nun mal auf biologischer Basis agieren. Genauso wie die damit gekoppelten Emotionen aus einer Übertragung heraus Teil des eigenen Wertesysthems werden.

Denn aus jeder Heterosuggestion wird eine Autosuggestion an die man selber glaubt - doch dazu mehr auf kommenden Seiten. ->mehr zum Thema Suggestion
 

5.2. Emotionale Vereinnahmung - „Liebe“
 

Die emotionale Vereinnahmung ist an sich ein natürlicher Vorgang. Ich denke dabei an die liebevollen Bindungen in meinen jetzigen Leben.

Folgende Ausführungen beschreiben dennoch einige Abläufe der emotionalen Vereinnahmung, gerade weil diese vom „Sklaven“ als ein Hebel verwendet wird, um zur Anhängerschaft zu bewegen, um zu binden und Dinge ausführen und glauben zu lassen, die er auch nur in seinem Sinne jemanden übertragen will.
 

Die Antwort auf die Frage wieso man sich zu den ZJ nun hingezogen fühlt, möchte ich, wenn es auch nur teilweise zutrifft, mit dem Grundbedürfnis nach Liebe beantworte.
Der Interessierte bekommt diese zu Beginn vom ZJ seines Vertrauens, kurze Zeit später, wenn er eine Versammlung besucht, von einer ganzen „Bruderschaft“.

Ich möchte an dieser Stelle nochmals auf die Einführung in das ->Kapitel 3 verweisen, auf die optionalen und unbewussten Beweggründe weshalb Menschen ihren Glauben durch eine bestimmte Religion eine gewisse Richtung geben möchten. Und wie diese Gründe, auch die unbewussten, versucht werden gezielt anzusprechen, auch darauf wurde bereits hingewiesen.
 

-
 

Liebe an sich hat scheinbar unendlich viele Facetten - mindestens so viele wie es Menschen gibt (was ich jetzt aber auch nur mal poetisch in den Raum stelle). Dennoch gibt es immer dieselben Grundzüge - im sozialen Rahmen hat sie immer dieselbe Auswirkung, indem sie Menschen emotional miteinander verbindet, weil man sich gegenseitig was zu geben haben scheint.
 

Wenn der Mensch ein Baum wäre, dann werden die Wurzeln bei anderen Menschen gelegt,

weil diese Menschen zu Quellen werden, wo gleich mehrere Bedürfnisse aufgetankt werden könnten.
Liebe wird durch die Offenheit des „inneren Menschen“ ermöglicht, ein „sich öffnen“ gegenüber Anderen. Diese Offenheit nennt man bekanntlich Vertrauen.
 

Das Maß dieser inneren Offenheit ist dann entscheidend was man dann selber geben und empfangen kann, was den eigentlichen Vorgang „zu lieben“ nun mal ausmacht.
Es gibt im Leben eines Menschen scheinbar keine gleichwertig positivere Kraftquelle, die auch noch gleichzeitig zu „wachsen“ scheint, wenn man sie mit anderen teilt.

Wenn man dies für sich erkannt hat, so ist das ein Gewinn fürs Leben. Die Gewissheit geliebt zu

sein, verändert uns zum positiven, spornt uns an und motiviert uns unser Bestes zu geben.

Oder wie „der Wachtturm“ weiß:
 

Außer einer sinnvollen Tätigkeit, die unser Leben ausfüllt, braucht jeder Liebe und Zuneigung.

- WT 15.06.2009, S.27.
 

Der Versuch einen Menschen zu verändern ist unumstritten eines der schwierigsten Dinge, welchen so mancher Ehepartner nach jahrzehntelangen Ansätzen schließlich irgendwann einmal aufgibt, um die „bessere Hälfte“ im günstigen Fall letztlich doch so zu nehmen wie
sie ist.
Erst wenn man jemanden die eigene Liebe völlig unvoreingenommen schenkt ist es meist so, dass sich ein Partner dann erst zum Vorteil verändert.

Daraus folgt: Aus entgegengebrachter Liebe passt sich ein Mensch mit einer größeren
Bereitschaft an, als wenn man ihn erst dann liebt, wenn er sich angepasst hat.

Das weiß auch die „Leitende Körperschaft“ (LK):
 

Ehepartner müssen in ihren Erwartungen realistisch sein. Der eine stellt bei dem anderen vielleicht bestimmte Eigenarten fest und meint, daran etwas ändern zu können. Mit Liebe und Geduld kann man seinem Ehepartner womöglich helfen, sich nach und nach zu verbessern.– WT 15.09.2008, S.19
 

Mit anderen Worten: Will man einen Menschen verändern dann muss er geliebt werden.

Denn erlebte Liebe kann einen Menschen dazu bewegen sich im Sinne desjenigen, der die Liebe projiziert, zu verändern.

5.3. Bauchgefühl
 

Was anderes als die Liebe ist unser ->„Bauchgefühl“, welches auf einer anderen Ebene existiert, von dem aber die Entscheidungen im Wesentlichen mit beeinflusst werden und somit einen Anteil unseres Unterbewusstseins mit beansprucht, aber irgendwie auch eine Brücke
zu unserer bewussten Wahrnehmung aus dem inneren heraus zu sein scheint.

 

Auch wenn wir glauben klar bei Verstand zu sein, so weiß man mittlerweile das unser „Bauchgefühl“, unsere Intuition, ein Teil in unserem Inneren wo man mit den Gefühlen zu denken scheint und Bedürfnisse unweigerlich in den Entscheidungen mit einbezogen werden, einen weitaus größeren Einfluss auf unsere Motive nimmt, als wie wir vielleicht meinen mögen.


Hier müsste man wiederum vieles differenzieren um es methodisch korrekt zu formulieren. Doch wenn hier im weiteren Verlauf des Kapitels vom „Unterbewusstsein“, der „Gefühlsebene“ oder der „Intuition“ die Rede ist, dann ist speziell damit der „innere Mensch“ in seinen Innenleben und seinen Prozessen (vor allem die des unbewussten Denkens) gemeint, die man nicht sehen kann.

Oder wie an anderer Stelle beschrieben, das sinnbildliche „Herz“ eines Menschen, diese innerste „Kammer“ in unserer selbst, welche maßgeblich unsere Entscheidungen auf unbewusster Ebene mit beeinflusst. Wo aber auch Motive und die Entscheidungen des
Menschen verändert werden können, die man normalerweise nicht verfolgen würde.

Die Ebene, welche leider auch empfänglich für Suggestionen ist.
Wenn jemand zu etwas überredet wird, was er eigentlich erst gar nicht wollte, dann wurde er genau in dieser inneren Kammer beeinflusst, wo das, was man will, konstruiert wird. Und wenn man will, kann man den Willen von jemand anderen bewusst unbewusst beeinflussen, wenn man weiß wie es geht.

 

Vielleicht ist das „Herz“ auch eine Fabrik, die verschiedene Teile von unbewussten und bewussten Bedürfnissen, sowie den Einflüssen aufgrund vorhandener Entscheidungsgrund-lagen, die allesamt einen gemeinsamen Nenner zur Entscheidungshilfe suchen, zusammenbaut.
 

Wenn es dieses „innere Kämmerlein“ nicht geben würde, dann gäbe es keine Wünsche und es gäbe keine Entscheidungen. Es gäbe keinen Grundlagen für den eigenen Willen eines Menschen. Entscheidungen werden aber natürlich auch aufgrund der äußeren Eindrücke
der gesamten Wahrnehmung getroffen. Auch das Nervenkostüm wirkt auf unsere Emotionen mit ein, was man zum Beispiel an positivem oder negativen Stress denkt.

Das aber unser Verstand die Hauptrolle spielt ist genau genommen eine Illusion.

Das „merkt man“ nur nicht immer und der Mensch will es meist gar nicht gern wahrhaben.

Und das ist echt schwierig das so manchen klar zu machen, wenn dieser dann auch noch stolz auf seine Übernahme von Meinungen anderer ist, von der er denkt es sei seine eigene Meinung.
 

Äußere Eindrücke werden unweigerlich von unserem Unterbewusstsein verarbeitet und lassen uns dann auch emotional reagieren – der letzte Filter mag dann vielleicht der Verstand sein,

je nachdem, wie anfällig man für äußere Eindrücke ist. Es gibt aber letztlich kaum eine Entscheidung die wir treffen, welche allein auf Logik beruhen könnte, da in diesen „Willen“ unser „Bauch“ mit einwirkt, ob wir es wahrhaben wollen oder nich.
 

5.4. Psychologische Mechanismen vor und während des Heim-“Bibelstudiums“

- wohin das Herz dann treiben mag...
 

Das „Bauchgefühl“ oder besser gesagt, dieses „innere Kämmerlein unseres Herzens“ trägt jetzt nun auch im Wesentlichen mit zu der Entscheidung bei, welchen Menschen man vertrauen möchte. Da die Entscheidung des Vertrauens mit auf unserem „Bauch“ beruht, so wird die Wahl nach einer Religion entscheidend mit von dem beeinflusst, ob die Menschen denen man dort innerhalb dieser Religion repräsentativ begegnet eben auch ein vertrauen-erweckendes Gefühl vermitteln. Auch das weiß die LK:
 

Viele verlassen sich jedoch bei weit wichtigeren Entscheidungen auf ihre Intuition: bei der Wahl ihres Berufs, ihres Wohnorts, ihres Ehepartners oder sogar ihrer Religion.“ - „Erwachet!“ 22.03.1992, S.16.


Jeder Mensch sehnt sich nach Liebe und die lieben Zeugen Jehovas kommen da manchmal zur rechten Zeit, um dieses Loch zu füllen...
 

... diese Aussage wird gleich wiederholt – sie hört sich zunächst harmlos an. Hier eine kurze Einsicht aus welcher ihm unbekannten Perspektive der ZJ mit einem Interessierten interagiert:
 

Ein ZJ möchte aus einer übernommenem Überzeugung heraus „liebevoll“ vorgehen, ohne zu wissen das er „Ungläubige“ (was auch Andersgläubige mit einbezieht) auch nur im Sinne der LK zu überzeugen sucht, um diese zu einer Mitgliedschaft zu überreden. Immerhin hängt von dieser ja das „ewige Leben“ ab, das vom zukünftigen ZJ, aber auch das eigene.
 

Das dieser nun mit denselben Methoden anderen Menschen zu überzeugen sucht wie er selber überzeugt wurde, macht ihn zu einem wertvollen Mitarbeiter der im Sinne seiner LK agiert.
Genau diese Unwissenheit hat einen Vorteil, wenn man nun an das Bauchgefühl eines unbefangenen Menschen denkt:

 

Man könnte einen ZJ an einen Lügendetektor anschließen und ihn Fragen zu seiner Religion stellen. Er würde, obwohl es alles ihm übertragende Ansichten sind, diese einmal als seine eigenen bezeichnen. Dann aber auch würde man einem solchen keine Unwahrheiten anmerken, selbst mit gesunder Menschenkenntnis nicht. Wie denn auch?

Denn dem ZJ sind die unbewusst wirkenden Prozesse seiner Tätigkeit, welche er nach Vorgabe, Schulung und Anleitung der LK durchführt, sowie die suggestiven Botschaften aus dem Medium „Literatur vom Sklaven“, ganz einfach nicht bewusst.
 

Von daher sendet er auch keine unbewussten Signale, die man als welche wie von einem Betrüger erwarten würde. Der Leser erinnert sich vielleicht an eine Situation, wo er selber gemerkt hatte wie jemand versucht hatte ihn anzulügen – dieses Gefühl wird es gegenüber einem ZJ nicht geben.

Auch das mag ein Faktor sein, wieso manche Menschen dazu neigen einem ZJ zu vertrauen.

Sie senden eben keine unbewussten Signale eines vorsätzlichen Manipulators. Wohl aber senden einige ZJ Signale, wenn sie innerlich von der Sache nicht mehr so ganz überzeugt sind, das sieht man an der Körperhaltung, sein Auftreten an den Türen der Leute etc. Doch einem überzeugten JZ merkt man das alles nicht an.
 

Sie wissen nicht, dass sie diese Arbeit, das Verändern von Menschen, für die LK durchführen.
Er glaubt er rettet den Menschen vor „Harmagedon“, oder er macht es für Gott, um den „Teufel zum Lügner zu stempeln“, um „Blutschuld von sich abzuwenden“... aber etwas "unwahres" geht ihn dabei nicht durch den Kopf, wenn er unbewusst daran geht einen Menschen zu verändern...

 

5.4.1. Desolate Einflüsse aus dem Unterbewusstsein

Hier schneidet diese Themmatik die ->unbewussten Erwartungen, wo bereits einiges abgehandelt wurde:

Jeder Mensch sehnt sich nach Liebe und die lieben Zeugen Jehovas kommen da manchmal zur rechten Zeit, um dieses Loch zu füllen...
 

... vor allem wenn bestimmte Menschen kein eigenes soziales Umfeld besitzen, oder dieses zu weit aus der Umwelt gerückt ist.

Erlebte Negationen können auch das Urteilsvermögen trügen, so dass es u.U. auch ein unbewusster Verzweiflungsakt ist sich mit ZJ auszutauschen, weil man trauriger weise von sonst niemanden Beachtung geschenkt bekommen hat.
 

Oder eine Trennung von Familie lässt jemanden dann nach Ersatz suchen, da die offenen Bahnen für die Gefühle auf eine Familie, oder einer Einzelpersonen, nun einen neuen und qualitativ ähnlichen Anschluss sucht – was man dann auch eine ->„Übertragung“ nennt.

Wie ein umgepflanzter Baum sich neue Bahnen für seine Wurzeln sucht. Und der „Boden“, auf den er trifft, nimmt Einfluss auf seine Zukunft.
Ideale Voraussetzungen, bzw. gute Ansatzpunkte für einen ZJ, welcher sich „liebevoll“ um die Rettung eines Menschen sorgt, indem er ihn als neuen ZJ-Anhänger wirbt.
Füge ich dieses „Liebesbedürfnis“ noch mal konkret mit dem „Bauchgefühl“ zusammen:

 

Gerade wenn es um die Frage nach den Personen geht, von denen man Liebe als Kraftquelle erwartet, spielt normalerweise das Bauchgefühl, die Intuition, bei der Wahl dieser Personen eine Rolle.

 

Unsere Gefühle mischen aber leider auch dann mit, wenn man sich in einer Phase befindet, in der man gewisse emotionale Zustände besser nicht als Entscheidungsgrundlagen mit einfließen lassen sollte.

Doch man kann die Gefühlswelt oft nicht einfach ausschalten, sondern sie beeinflusst einen fast immer, egal ob man gerade emotional stabil ist oder aber eben auch nicht...
 

Nun ist es aber auch so, dass solches Wissen natürlich auch ausgenutzt werden kann.
Positiv, um jemanden zu helfen und um für jemanden da zu sein - man erkennt ein Manko und möchte für jemanden da sein, was ein ZJ dann auch geneigt ist auf seine Art umzusetzen.

 

Aber auch in Form des Missbrauchs kann dieses Wissen verwendet werden, wenn es sich nicht mehr allein um eine bedingungslose Liebe handelt - was ein ZJ wiederum nicht so ausdrücken würde weil er diese Sichtweise nicht bei sich zulässt, aber selber letztlich so in seiner eigenen Gruppierung ausleben muss (wenn er nicht zum "schlechten Umgang" gehören will, Kontakverbot mit anderen Ehemaligen usw.).


Das Wissen, um dieses Wechselspiel zwischen der Kraft der Liebe und unserem Bauchgefühl kann also definitiv verwendet werden.
 

Ein ZJ beginnt dies umzusetzen indem er sich die entsprechende Mühe gibt seine Liebe zum Mitmenschen dadurch zu zeigen, indem er den potentiellen Interessierten liebevoll entgegen kommt, oder (und) diesem tatsächlich etwas zu geben scheint, wobei er natürlich auch ans „Jüngermachen“ (ZJ-machen) denkt:
 

Wie steht es mit uns? Wir sind Nachfolger Christi und möchten ihn sowohl in unserem Dienst als auch in unserem Leben nachahmen (1. Pet. 2:21). Deshalb bemühen wir uns, nicht nur biblisches Wissen weiterzugeben, sondern auch Jehovas Eigenschaften widerzuspiegeln, vor allem seine Liebe. Ob wir viel wissen oder wenig, ob wir als Lehrer große Erfahrung haben oder nicht - die Liebe, die wir in unserem Dienst zeigen, wird wesentlich dazu beitragen, das Herz der Menschen zu erreichen. Um beim Jüngermachen wirklich etwas zu bewirken, müssen wir also wie Jesus mit Liebe lehren.

– WT 15.07.2009, S. 16.
 

Je nachdem was ein Mensch dann erlebt hat, wird diese persönlich erlebte Liebe erst zu einem unbewussten Grund, um überhaupt ein „Studium“ mit einem ZJ zu beginnen, sowie ihm persönliches Vertrauen zu schenken.
Unser Unterbewusstsein checkt zunächst ab, ob ein Mensch vertrauenswürdig ist, bevor die von ihm gegebene Freundlichkeit angenommen wird.

 

(Das zu 90% aller Fälle die Menschen von ZJ aufgrund von Desinteresse ablehnen - dies aufgrund einer bereits gebildeten Meinung durch andere Medien, oder aufgrund eines bereits vorhandenen Glaubens, oder wegen des Bauchgefühls was hochkommt wenn Fremde
vor der Tür stehen - das sei hier nicht das Thema und ist dem Autor wohl bekannt.
Hier im Kapitel ist von der Zielgruppe die Rede, welche potenziell bei den ZJ mitmachen würde.)
 

Der zukünftige Studierende, derjenige der unbewusst „checkt“ ob sein Gegenüber, der ZJ, eine Quelle zum „Liebe tanken“ sein könnte, wird auf bewusster und emotionaler Ebene zum ersten mal von einem solchen geprägt – „liebevoll“, weil ZJ immer so vorgehen.
Die LK kann also davon ausgehen, dass zu dem Interessierten ein vertrautes Verhältnis aufgebaut wird, oder ein solches bereits existiert, wenn es dann zu diesem Studium gekommen ist. Möglicherweise hat ein ZJ im Laufe von Wochen, Monaten oder Jahren diesen als guten
Kontakt aufgebaut, bevor es zum eigentlichen „Heimbibelstudium“ kommt.

 

Eine Frau, die schon fünf Jahre lang unsere Zeitschriften und andere Veröffentlichungen erhalten hatte, war zu Tränen gerührt, als sie sich den Videofilm Jehovas Zeugen — Die Organisation, die hinter dem Namen steht ansah. Sie hatte Vertrauen zu den Zeugen Jehovas entwickelt, die sie besuchten, aber nach dem Videofilm hatte sie das Empfinden, auch der Organisation vertrauen zu können.

– „Unser Königreichsdienst“ 04/2005, S. 8.
 

So wird das Vertrauen zu einem ZJ zu einem Werkzeug der LK, denn es ist die Voraussetzung um das Studium zu beginnen, sowie der Startschuss um das Vertrauensgefühl auf weitere Glaubensaspekte, sowie auf weiteren Organen dieser Organisation auszudehnen.

Das „Vertrauen“ beansprucht folgenden Platz im Puzzle:
Der Mensch neigt nun mal dazu, von den Menschen Bewertungen, Meinungen und Informa-tionen zu übernehmen, denen er einmal sein Vertrauen geschenkt hat.
Vor allem dann, wenn die nötigen Informationen fehlen um sich selber ein umfassenderes Bild zu machen – u.U. werden dann andere Quellen als „Hetze“ gesehen, weil ein Interessierter glaubt einen ZJ persönlich zu kennen, aus „erster Hand“, und das das ja alles ganz anders ist.

Doch so einer übersieht das ein ZJ sich nur verkaufen wird, wie er laut Vorgabe zu „predigen“ hat. Auch ist man sich nicht bewusst, das der ZJ selber auch nur einseitig informiert ist.
 

Die Freundlichkeit und Friedfertigkeit eines ZJ löst dann genügend Vertrauen aus, um seine Werte zu übernehmen.
Diese übernommenen Ansichten beinhalten dann auch übertragende Sympathien oder Antipathien welche dann in der Regel genauso übernommen werden; aber wiederum auch nur dann, wen man sich nicht selber zu einer Sache bereits eine eigene Meinung gebildet hat.

 

Natürlich ist es sehr schwer, jemandem wirklich zu vertrauen, den man kaum kennt. Aber je besser man einen Menschen kennenlernt, desto besser kann man abschätzen, ob er ehrlich und vertrauenswürdig ist“ – WT 01.03.2010, S. 5.
 

Wer hier einwenden mag: „Moment mal, der Studierende, oder der Interessierte bildet sich doch eine eigene Meinung“, dann ist das eine einseitige Betrachtungsweise. Oben wurde ja schon erwähnt, dass der ZJ selber ja auch nur einseitig informiert ist, was im Kapitel 7 weiter
ausgeführt wird.
Aber wenn man jemand Fremdes in seiner Meinung vertraut, dann aber diese fremde Meinung für sich übernimmt ohne Vergleiche oder Wissen für die Grundlage einer eigenen Meinung mit einzubeziehen, so ist das eine Fremdübernahme, aber keine eigene Meinung.

 

Beim „Bibelstudium“ übernimmt der „Studierende“ die Meinung des ZJ, seines „Mentors“.
Bei einer „Heterosuggestion“, der Beeinflussung von jemand anderen, („Bibelstudium“) soll der zu Suggerierende („Studierende“) das Empfinden und Denken des Beeinflussenden (des „ZJ“/“Sklaven“) übernehmen – dies im Sinne der Indoktrinierung.

 

Will man dann einen Menschen dazu bringen sich gemäß den Ansprüchen der Gruppierung zu verändern, dass dieser sich anpasst, so muss dieser sich von den Repräsentanten der Gruppe positiv angenommen fühlen, oder: Will man einen Menschen verändern, so liebt man ihn am besten – in Fachkreisen nennt man dies ->„Love-Bombing“. Dieser Begriff wird neuerdings auch dafür verwendet um auf ein Phänomen narzistischer Persönlichkeiten beim ersten Date aufmerksam zu machen - doch der Ursprung liegt in dieser Thematik.
 

Um beim Jüngermachen wirklich etwas zu bewirken, müssen wir also wie Jesus mit Liebe lehren.

– WT 15.07.2009, S. 16.


Das gesamte Studium über wird dann diese „Liebe“ angewendet. Ein „liebevoller“ Mensch signalisiert: Hier ist jemand den man vertrauen kann.
 

Ein Vergleich:

Man kann einen „Pullover mit Liebe stricken“, doch die Liebe wird man später nicht sehen, da sie auf einer anderen Ebene stattfindet, aber in diesem Vorgang die eigentliche Hauptrolle spielt. Genauso verhält es sich dann mit dem Glauben eines Zeugen Jehovas.
 

Der Pullover kann dann Löcher oder Maschen aufweisen – „Sonderlehren“ noch und nöcher - der eine Ärmel mag breiter und kürzer sein als der andere – ein Mitglied bemerkt Widersprüche nicht als solche. Es sind die positiven Emotionen die mit diesem Pullover verwoben wurde, die einem ZJ trotz vernünftiger Argumente an diesen „Pullover“ hängen lassen.

Die damit verwobenen Ängste und Zwänge werden an anderer Stelle betrachtet, aber sie tragen ebenfalls dazu bei, sich der Gruppierung „verpflichtet“ zu fühlen - denn ohne dem Pullover wäre einem ja kalt...

Später wird diese empfundene Liebe zu einem bewussten Hauptgrund des Beitrittes in diese Gruppierung. Die „Wurzeln“ werden konkret gelegt. Es wird intern sogar als einer der möglichen Gründe benannt, weshalb jemand ein ZJ wurde:
 

Was den Einzelnen davon überzeugt, dass Jehovas Zeugen die Wahrheit lehren, kann von Fall zu Fall ganz unterschiedlich sein. Für manche ist es ein Schlüsselerlebnis, den Namen Gottes in der Bibel zu lesen ... Andere wiederum sind vor allem von der Liebe unter Gottes Volk beeindruckt... Solche oder ähnliche Überlegungen haben bei vielen die erste Liebe zu Gott geweckt. Nimm dir doch die Zeit, dir in Erinnerung zu rufen, was dich persönlich von der Wahrheit überzeugt hat.

- WT 15.06.2008, S.23-24.
 

Was vorher als ein Verspüren von Liebe eines ZJ zum Studierenden wahrgenommen wurde, wird später mit zu einem optionalen, wenn auch emotionalen, Hauptgrund sich der Gruppe anzuschließen - so wird das Vertrauen des Interessierten zum ZJ, zu einem Werkzeug
der LK mit dem man „arbeiten“ kann.

 

Je weiter fortgeschritten der Zeitrahmen des Studiums, umso größer die Anpassung und Vorbereitung um sich nachher besser in die Gruppe einbinden zu können.
Dieser Anpassungsvorgang findet dann im Laufe des Studiums ebenso auf (mindestens) zwei Ebenen statt, die sich gegenseitig beeinflussen.

 

Erstmal ist da die optionale, die bewusste Entscheidung.
Es geht los mit einer „Betrachtung von biblischen Wahrheiten“, bis hin zur kompletten Übernahme am Ende der Indoktrinierung:
„Es ist die Wahrheit“ - es werden ebenso ideelle Gründe geliefert, eine Ansicht übertragen, wieso man sich dieser Gruppe anschließen „sollte“.

 

Diese Glaubensinhalte liefern eine Beschäftigung auf der bewussten Ebene, welche Informationen verarbeitet und das relativ logisch vorkommende Glaubensbild als den Hauptgrund illusioniert, welches einen ZJ „bewusst“ in dieser Religion zu halten scheint.

Diese rein informativen Ansichten eines Zeugen Jehovas spielen aber natürlicherweise auch in der Wechselwirkung zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein eine Rolle, da ein Zeuge Jehovas seine Religion nicht einfach als eine pure Information gelehrt bekommen hat.
 

Denn die zweite Ebene der Anpassung ist die unbewusst übertragene, wo „Bauchgefühl“ und die Gefühle verändert wurden, denn die werden genauso geprägt wie eine Ansicht an sich geprägt wird, was mit zum wesentlicheren Anteil einer Entscheidungen beiträgt.
 

Eine komplette Meinung bildet sich immer aus Informationen (Ansichten, Glaubensinhalte) sowie der dazu verbundenen Bewertung auf der Gefühlsebene, egal ob es sich um eine selbst gestaltete oder einer übertragenen handelt.

5.5. Emotionaler Marker

Siehe auch ->somantische Marker.

Was ist eigentlich eine ->Prägung?

 

Eine emotionale Bewertung möchte ich wie folgt umschreiben:
So, als ob man in einen Roman eine Passage mit negativen Emotionen (Aggressionen oder Trauer) mit einem Marker rot markieren würde und die positiven (Freude, Liebe, Glück) in grün, so unterlegt unser Unterbewusstsein neu gelerntes ebenso mit Emotionen, seien es positive oder negative.

Man merkt sich die Dinge besser die mit Emotionen verbunden sind. Ein lobender, oder auch ein nörgelnder Lehrer, hat daher größere Lehrerfolge als der Sachliche.
 

Wenn diese Emotionen einmal zugeordnet wurden, ist es schwer solche Prägungen umzuändern. Z.B. kann ein einmal geprägtes Feindbild aus Kriegszeiten ein Leben lang anhalten, obwohl längst Friedenszeiten herrschen.

Prinzipiell sind zwar Änderungen einer emotionalen Bewertung möglich, doch dann steht solchen meist eine selbst erlebte Erfahrung zugrunde - zum Beispiel ein alter Feind ist nun ein Freund.
 

Eine Enttäuschung in der Vertrauensbasis kann eine Liebe in Hass umkrempeln, oder Erfahrungen aufklärender Natur können mit Hass verbundene Vorurteile abbauen.
Diese Kombination aus bestehenden Wissen und den damit zugeordneten Emotionen, könnte man sichtbar machen.

 

Man könnte einer Person eine DINA4 Seite voll mit Hauptwörternvorsetzen und ihn auffordern zu den Begriffen die entsprechenden farblichen Markierungen (rot = negativ - grün = positiv)
vorzunehmen. Wo es keine Emotionen gibt, wird auch nichts markiert. Diese Wörter könnten dann je nach Zielgruppe ausgesucht werden. Kinder mit Begriffen aus Schule, Familie und Freizeit. Eine Speisekarte für Gäste. Einen Arbeitnehmer mit Begriffen aus seiner
Arbeitswelt u.a.


Hier wäre es nun interessant wie so eine Seite von einem Zeugen Jehovas ausgefüllt werden würde, wenn er Begriffe wie „Geistlichkeit der Christenheit“, „Pastor“, „Evangelisch“,
„Ehemalige Zeugen Jehovas“, „Jehova“, „Bruder“, „Schwester“ usw. vorgesetzt bekommt.

 

Er würde seiner Gefühlswelt „Farbe verleihen“ und seine Indoktrinierung aus seiner erlebten Gefühlsebene sichtbar machen.
 

Ansonsten ist jegliches emotionales Weltbild eines Zeugen Jehovas erst einmal unsichtbar – wer nicht näher Bescheid weiß, der wird so einem nur vor dem Kopf schauen können, es sei denn, man lernt ihn und seine Ansichten etwas näher kennen.
 

Das, was einen ZJ innerhalb seiner Religion gemäß ihren Anforderungen funktionieren lässt, ist somit einer emotionalen („liebevollen“) Prägung zu verdanken.
Diese enthält positive Eindrücke, wenn es um positive Glaubensinhalte geht; negativ gegenüber allem was gegen den Glauben spricht, oder als ein Feindbild dieser Religion gelehrt wird.

 

Nur durch diese Umstrukturierung an Werten ist es dann möglich, das ein zukünftiger Mitläufer sich selber zu einer neuen Funktion in dem Kollektiv der ZJ einfinden kann.
Er sieht sich selber in einem neuen Selbstzweck, wo er für sich selber einen neuen „Sinn im Leben“ erkennt - den Sinn, die der „Sklave“ ihm vermitteln wollte. Das dies alles einer Vorgabe der LK entspricht wird man nicht merken, da ja die bewusste Ebene, der Verstand, mit Glaubensinhalten beschäftigt war, mit denen der Studierende sich letztlich selber optional identifizierte.

 

Ist die Indoktrinierung erfolgreich abgeschlossen, der Studierende möchte ein ZJ werden, ist er auch für die Eingliederung in die psychologischen Mechanismen innerhalb der Gruppierung bereit, wo man sich genauso der Grundbedürfnisse „Liebe“ und „Anerkennung“ bedient um die Mitglieder gemäß den Vorgaben der LK funktionieren zu lassen und an diese Organisation dauerhaft zu binden.
 

Solche psychologische Vorgehensweisen werden natürlich gar nicht erst vom „Sklaven“ als solche abgehandelt, gar nicht erst thematisiert - stattdessen lässt man alle, egal ob ZJ oder einen Interessierten, diese Vorgehensweisen durchleben, ohne eine Aufklärung (nicht mal
Ansatzweise) über diese tiefenpsychologischen Vorgänge mitzugeben.

5.6. Der Gedankenstopp
 

Ein Beispiel für so eine typische emotionale Prägung eines ZJ kommt mit der selbstkritischen negativen Bewertung des Selbstbildes auf, wenn man anfängt an der eigenen Religion zu zweifeln. Selbst das Gefühl von Zweifel, was eigentlich einen natürlichen Instinkt zur Wahrheitsfindung darstellt, wird als „vom Teufel kommend“ suggeriert, wenn er in
Verbindung mit WT-Lehren aufkommt, was ein Weiterdenken von berechtigten Kritikpunkten stoppen soll (daher „Gedankenstopp“ genannt).

 

Das er sich trotz guter Gegenargumente, die man ihn vielleicht als Verwandter oder Freunde entgegnete dort nicht mitzumachen dennoch dort weitermacht, erlaubt ein programmiertes Verhalten sich selber als „vom Teufel geprüft“ zu betrachten, was ihn bei den ZJ natürlich zu
weiterer ihm entgegengebrachter Anerkennung führt.

 

Man hat sich relativ früh bemüht diesen in den Sinn zu übertragen; im Buch Was lehrt die Bibel wirklich?, schon im ersten Kapitel, auf S.17, findet man erste Ansätze:
 

„Wenn wir die Bibel studieren und immer mehr daraus lernen, müssen wir allerdings damit rechnen, dass uns manche durchaus in guter Absicht daran hindern wollen.“
 

Im weiteren Verlauf des Buches wird immer wieder verankert, erst wie „vorteilhaft“ es sei, bis hin zur „Wichtigkeit“, die Bibel zu studieren (nach Art der LK), sich ja nicht weiter von abhalten zu lassen - doch später dann in Verbindung mit konkreteren Ambitionen:
 

Satans Einfluss kann sich also dadurch bemerkbar machen, dass Freunde, Verwandte oder andere dagegen sind, dass wir die Bibel studieren und das Gelernte umsetzen.

Was lehrt die Bibel wirklich?, S. 120.
 

Innerhalb der Gruppierung, nach der Taufe, wird dies natürlich noch beibehalten. Zweifel (ein Werkzeug zur Wahrheitsfindung) ist dann ein „Werkzeug des Teufels“ und wird mit „Unglauben“ gleichgestellt:
 

WT 15.03.1986, S.17: „Laß dich vom Teufel nicht zu einem Kandidaten der Abtrünnigkeit machen, indem du ungeduldig wirst und die Verheißungen Gottes in Zweifel ziehst! Sei
geduldig, sei dankbar.

 

WT 15.03.2010, S.30-31: „Unser Herz kann nicht rein bleiben, wenn sich dort Unglauben breitmacht. Mit welchen Ideen versucht der Teufel, unseren Glauben an Gott zu untergraben? Da wären zum Beispiel die Evolutionstheorie, der moralische und religiöse Relativismus sowie Zweifel, ob die Bibel wirklich von Gott ist. Wir dürfen uns von solchem tödlichen Gedankengut nicht anstecken lassen.
 

WT 15.07.2010, S. 13: „Heute gehen Verfolger manchmal genauso raffiniert vor. Sie präsentieren kleine Stückchen Wahrheit, um Vertrauen zu erwecken, streuen aber geschickt Unwahrheiten ein, um Zweifel zu säen.
 

So eine angeeignete Exklusivität, wo kein Zweifel zugelassen werden darf, hat natürlich die verschiedensten Auswirkungen emotionaler Natur.
 

Ich denke da nur mal an die innere Unsicherheit, wenn man aufgrundeines Zweifels nicht mal einen Gedanken zu Ende denken kann.
 

Es führt aber auch zu einem falschen Stolz – „falsch“ deshalb, weil die Grundlagen zum eigenen Glaubensbild „in der Wahrheit zu sein“ nie durch Zweifel erprobt werden könnten, ob diese Zweifel berechtigt sind oder nicht, was aber eine Zutat für einen „aufrichtigen“ Glauben wäre.
Ohne Zweifel gibt es keine Aufrichtigkeit.

 

Genau genommen könnte jetzt Jesus Christus persönlich diesen Indoktrinierten in einer Vision erzählen, dass er auf einem falschen Weg ist – so käme diese Vision von Satan dem Teufel.
Sobald also ein Freund des Studierenden sich als ein solcher verhält und berechtigte Kritikpunkte aufzeigt, gegen die Glaubensansichten der ZJ, ist dieser vermutlich doch kein guter Freund, sondern nur ein weiterer Bewohner der „bösen Welt“, die „vom Satan regiert“ wird...

 

Im Grunde hat man es geschafft alle Wege und Kanäle, um einen solchen Menschen eines Besseren zu belehren, „dicht“ zu machen.
 

Alleine selbst gemachte Erfahrungen oder eigene Überlegungen „unerlaubter ketzerischer“ Natur, die Entgegen der „Wahrheit“ der LK stehen, könnten ihn jetzt noch zu einer selbstständigen, auf Vernunft basierenden Überlegung führen, um ihn gar nicht erst weiter in die psychologischen Mechanismen dieser Bruderschaft eingliedern zu lassen.
Aber ansonsten ist er blind, wie ein „frisch Verliebter“.

 

5.7. Psychologische Mechanismen innerhalb der Gemeinschaft

- das Selbstwertgefühl eines ZJ
 

Aus der optionalen „Liebe zur Wahrheit“ und der ihm entgegengebrachten Liebe ist der Studierende nun innerlich zu einem ZJ geworden – es geht hier nun um die Phase vor und nach der Taufe. Es wird Zeit das er sich weiter in die Gepflogenheiten und den Dingen, die
man ihn noch nicht beigebracht hat, weiter einleben zu lassen.

 

Hinzu kommen dann noch die neuen (emotionalen) Prägungen von demwas innerhalb der Gruppierung als „gut“ und „schlecht“ definiert wird, die man unweigerlich auch auf sich selber bezieht. Mit dem Rauchen aufzuhören ist hier nur ein harmloses, wenn auch sinnvolles Beispiel
und die Rede ist auch nicht von der positiven Veränderung, wie der Ehrlichkeit oder dem Einhalten von vernünftigen Verhaltensweisen, wie sie auch im Humanismus wegen den daraus resultierenden Vorteilen praktiziert werden.


Gemeint ist hier, was einen ZJ in seinem Selbstbild, seinem Selbstwertgefühl und seiner Selbstliebe vom normalen Menschen unterscheidet – denn klar ist das auch „ungläubige Menschen“, die mit dem Rauchen aufgehört haben, sich danach in ihrem Selbstwertgefühl „besser“ fühlen mögen.


Die Rede ist hier viel mehr von der neu geprägten Selbstkritik, von der das Selbstwertgefühl eines emotional vereinnahmten ZJ von nun an beeinflusst wird.
Denn es wurden noch weit mehr Faktoren hinzuaddiert, von denen ein ZJ sein Selbstwertgefühl abhängig gemacht bekommt, als wie einfach nur der gute Mensch zu sein der er auch ohne diese Religion sein könnte.

 

Die Bibel ist der Schlüssel, der uns jetzt schon den Weg zu einem glücklichen Leben erschließt.“

- Was lehrt die Bibel wirklich?, S.6.
 

Gemeint ist hier, was die LK vorgibt „biblisch“ zu sein, was dann glücklich machen soll.
Ob dieses Selbstwertgefühl positiv oder negativ ausfällt, ist bei einem ZJ ab einen bestimmten Zeitpunkt (kommt drauf an wie schnelle er innerlich vereinnahmt wurde) von seiner eigenen
Verhaltensweise gegenüber den Normen und Tätigkeiten, welche in Verbindung mit der WT-Organisation stehen, in Abhängigkeit geraten.

 

Je nachdem wie er sich selber gemäß diesen Normen verhält und sich selber gemäß einer auferlegten Selbstbeurteilung betrachten darf, fühlt er sich „gut“ (glücklich, zufrieden usw.) oder eben „schlecht“.
 

Denn diese erworbene Prägung hat auch einen Einfluss auf das „Bauchgefühl“, da dieses fortan gemäß den neu gepolten Emotionen agiert, und entsprechend den ZJ „schlecht fühlen“ lässt, wenn dieser etwas entgegen der „neuen Meinung“ unterlassen oder unternehmen will.
 

Dies artet sich in einem mehr als unguten Gefühl aus, wenn man z.B. nicht so oft „predigen“ geht obwohl man „mehr machen“ könnte, man in den Zusammenkünften keine Kommentare gibt, man sich heimlich mit „weltlichen“ Freunden trifft usw.
 

Oft beobachtet man dann auch ein Scheuklappen-artiges Verhalten, wenn man ehrliche Kritikpunkte auf Informationsebene liefert (falls man sich diese überhaupt anhört) – sie werden dann ignoriert oder bagatellisiert, weil sie keinen Zugang zu der Ebene liefert, wo die
Glaubenslehre wirklich verwurzelt ist...

 

Das, was einen ZJ im Sinne der LK zu einem glücklichen und zufriedenen Menschen machen soll, lässt sich kurz auf die Tätigkeiten eines ZJ reduzieren, vor allem auf die Mitgliederwerbung für die Wachtturmgesellschaft.
 

„Es gibt für uns wirklich nichts Besseres, als anderen zu erzählen, wer Jehova Gott ist und worin sein Wille besteht. Wir könnten ... keine lohnendere Tätigkeit verrichten.“

Was lehrt die Bibel wirklich?, S. 189-190.
 

Wir erleben, wie viel Freude es macht, den Willen Jehovas zu tun, und wie befriedigend es ist, zusätzliche Aufgaben im Dienst und in der Versammlung zu übernehmen“. – WT 15.04.2010, S. 28.
 

Wenn man einen ZJ fragt warum er das macht, nennt er seine optionalen Gründe: „Liebe zu Gott“, „Liebe zu den Menschen“, „nur so diene ich Gott richtig“ usw.
 

Aus tiefer, von Herzen kommender Liebe zu den Menschen werden wir auch künftig jederzeit und überall Gelegenheiten zum Predigen suchen.“ - WTG-Buch Komm folge mir nach, S. 90.
 

„Durch unser Predigen helfen wir aufrichtigen Menschen, unserem himmlischen Vater näher zu kommen und den Weg zum ewigen Leben einzuschlagen. Was könnte befriedigender sein? Außerdem stärkt das Zeugnisablegen für Jehova und sein Wort unseren eigenen Glauben und vertieft unsere Liebe zu Gott.“ – Was lehrt die Bibel wirklich?, S. 190.
 

Gemeint ist hier immer nur die Mitgliederwerbung, wenn von „anderen von Gottes Willen erzählen“, „zusätzliche Aufgaben im Dienst“ oder schlicht vom „predigen“ die Rede ist.
Und tatsächlich verhilft die Durchführung dieser Tätigkeit auch zu einem gewissen auto-, suggestiven Glücksgefühl, weil man tatsächlich glaubt etwas echt „sinnvolles“ ausgeübt zu haben.

 

Derselbe Effekt kommt bei einem Kleinkind auf, wenn es von seinen Eltern dafür gelobt wird, wenn es eine Sandburg gebaut hat, oder ein Bild gemalt hat – fortan wird ein Kind bei solchen Tätigkeiten sich auch weiterhin wohl fühlen.
Wenn man ein Kind dafür loben würde, wenn es z.B.den Sandkasten mit in das Wohnzimmer nehmen würde, dann würde es auch dies in Zukunft gerne weiter tun...

 

Die Momente, in denen man sich sagen darf „jetzt kann ich glücklich/zufrieden sein“, oder „jetzt gerade zeige ich meine Liebe zu Jehova“, werden ebenso in Verbindung der Tätigkeiten geprägt, welche man unter der Wachtturmgesellschaft und somit letztlich für deren LK vollbringt. Doch der Gläubige denkt, er tue „etwas für seinen Gott“, womit er den „Sandkasten“ überall mit hin nimmt...


Wirkungsvoll zu lehren ist etwas sehr Lohnendes. Durch unser Lehren können wir geben und Geben macht glücklich (Apostelgeschichte 20:35). Dieses Glück entspringt dem freudigen Bewusstsein, dass wir etwas von echtem, dauerhaftem Wert vermitteln: die Wahrheit über Jehova. Außerdem haben wir die befriedigende Gewissheit, dem Beispiel Jesu zu folgen, des größten Lehrers, der je auf der Erde lebte.

Was lehrt die Bibel wirklich?, S. 127.
 

Gemeint ist auch hier immer nur die Mitgliederwerbung, die zum persönlichen „Glück“ verhelfen soll, wenn von „die gute Botschaft zu lehren und predigen“ die Rede ist.

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Das "Bauchgefühl" oder "auf das Herz hören" - gemeint ist immer was unser Unterbewusstsein mit unserem Verstand zu kommunizieren scheint und auch die Emotionen beeinflussen kann.

Oft auch Intuition genannt.

 

5.8. Ängste und Zwänge – die „Blutschuld“
 

An dieser Stelle muss ich noch mal auf die Idee von „Harmagedon“, oder Armageddon  einge-hen, da ein ZJ ja nicht nur „für seinen Gott“ von „Tür zu Tür“ geht, sondern auch um Menschen vor dem nahenden Ende von „Satans bösem System“ zu warnen, das „nahe“ bevorstehendes Strafgericht Gottes. Der Gläubige denkt, dass nur eine Mitgliedschaft bei den ZJ
(„Gottes Volk“) einen Menschen vor Harmagedon retten kann.

 

Dieser Predigtdienst wird daher als eine Art Pflicht suggeriert:


Jehova schätzt das Leben sehr. Er fordert seine Diener auf, sich rückhaltlos einzusetzen, um so vielen wie möglich zu helfen, ihr Leben zu retten. Jeder Diener Gottes muss die lebensrettende Botschaft aus Gottes Wort bekannt machen. Unsere Aufgabe ähnelt der eines Wächters, der warnt, sobald Gefahr droht. Wir möchten bestimmt nicht, dass wir für das Blut derjenigen, die in Lebensgefahr sind, zur Rechenschaft gezogen werden (Hes. 33:1-7). Wie wichtig ist es daher für uns, weiterhin beharrlich ‘das Wort zu predigen’! (Lies 2. Timotheus 4:1, 2, 5.)– WT 15.01.2008, S. 4.

 

Also nicht nur ein Dienst für Gott, sondern der ZJ bekommt eine Art „Blutschuld“ auferlegt, wenn er nicht für die WTG Mitglieder werben geht:
 

Gottes Diener, die den Auftrag haben, andere vor der herannahenden Vernichtung in der großen Drangsal zu warnen, können nur dann von Blutschuld frei bleiben, wenn sie diese Botschaft treu verkündigen.“ – „Anbetungsbuch“, S. 156.
 

Der Erfolg des Haus-zu-Haus-Dienstes hängt nicht nur von den Reaktionen im Gebiet ab. Das Predigen spielt natürlich eine wichtige Rolle, um aufrichtige Menschen zu retten, aber es dient noch weiteren wichtigen Zielen. Durch das Verkündigen können wir zum einen unsere Liebe zu Jehova beweisen und uns vor Blutschuld bewahren.“ – WT 15.07.2008, S. 11.
 

Weltweit müssen noch Millionen Menschen von der guten Botschaft hören, die ihre Rettung bedeuten kann ... Gehen wir doch an unterschiedlichen Tagen oder zu unterschiedlichen Zeiten in den Predigtdienst, dann öffnen uns vielleicht andere Menschen als sonst die Tür. Wenn wir so intensiv nach Menschen suchen, haben wir ein gutes Gewissen und sind frei von Blutschuld.

– „Königreichsdienst“ 12/09, S. 1.
 

„Blutschuld“, vor der es gilt „bewahrt“ zu werden, ist wiederum etwas, was ansonsten ebenso die „falsche Religion“ in „Gottes Gericht“ zu verantworten hat, sofern man folgenden Glauben
schenken mag:

 

In den Christlichen Griechischen Schriften wird gezeigt, daß Christen in Gottes Augen auf dreierlei Weise Blutschuld über sich bringen können:

1. durch Blutvergießen, Mord; dazu gehört die direkte oder indirekte Unterstützung einer mit Blutschuld beladenen Organisation (wie Babylon die Große [Off 17:6; 18:2, 4] oder andere Organisationen, die viel unschuldiges Blut vergossen haben [Off 16:5, 6; vgl. Jes 26:20, 21]);

2. durch das Essen oder Trinken von Blut auf irgendeine Weise (Apg 15:20) und

3. durch das Versäumnis, die gute Botschaft vom Königreich zu predigen, wodurch anderen lebensrettende Informationen vorenthalten werden (Apg 18:6; 20:26, 27; vgl. Hes 33:6-8).

- WTG Einsichtenbuch, Stichwort „Blutschuld“, S. 425.
 

Anmerkung:
„Babylon die Große“ = „Weltreich der falschen Religion“ = Alle anderen Religionsführer

 

... Danach kam Jesus in seiner Rolle als „Bote des Bundes“ an der Seite seines Vaters zu einer Besichtigung des geistigen Tempels (Mal. 3:1). Er richtete die Christenheit, den verwerflichsten Teil „Babylons, der Großen“, und verurteilte sie, weil sie große Blutschuld auf sich geladen und sich durch die Einmischung in die Politik dieser Welt verunreinigt hatte.– WT 15.09.2010, S. 25
 

... Die Kirchen, die durch ihre Irrlehren Gott jahrhundertelang entehrt und im Ersten Weltkrieg große Blutschuld auf sich geladen hatten, wurden verworfen.– WT 01.04.2007, S. 22.
 

Man muss also anmerken, dass es selbst innerhalb dieser Gruppierung nur einen schmalen Grad gibt, um „errettet“ zu werden, oder dass man zumindest nicht vor Gott „zur Rechenschaft gezogen“ wird, sprich in Harmagedon umkommen wird. Von daher resultiert also noch mehr das suggerierte „schlechte Gewissen“ (= sich schlecht fühlen), wenn man nicht so oft predigen geht, als wie man könnte: Es wird bewusst „mit der Angst gespielt...“
 

Natürlich würde der ZJ sagen, dass er allein aus Liebe handelt, wenn man ihn gezielt danach fragt, weshalb er weitere Anhänger werben geht.
Auch legt die WT-Literatur ja vor, „Liebe“ als Motiv zu benennen – die „Blutschuld“ und die damit verwobenen Angst wenn man nicht „predigen“ geht, werden dann meist verschwiegen. Das ist übrigens etwas, was der Interessent erst ziemlich am Ende seines „Studiums“
mitbekommen soll:

 

Diese Pflicht „predigen“ zu gehen, um von „Blutschuld frei zu bleiben“.
Nur wenn er zwischendurch mal zufällig mit in eine Versammlung der ZJ gehen würde und man würde dann gerade zufällig an dem Tag in dieser mehr oder wenigen öffentlichen Veranstaltung auch etwas über diese „Blutschuld“ besprechen, dann erst würde er davon etwas hören – sofern er der internen Sprache dann schon soweit vertraut ist. Aber der
„Studierende“ wird sowieso erst dann eine Versammlung der ZJ besuchen, wenn er ohnehin den Wunsch verspürt, seine „Wurzeln“ dort zu ankern.

Aber das Selbstwertgefühl eines ZJ soll noch weiter eingeengt werden.
Es erfolgt noch zusätzlich, zu der Pflicht und der Angst, eine Abhängigkeit in diese „Predigt“-Tätigkeit. Dies einerseits aufgrund der auferlegten Selbstkritik. Man kann infolge dieser noch so viele interessante Hobbys nachgehen, oder einen tollen Job haben der
eigentlich einen zufrieden machen könnte:

Nur wer auch regelmäßig „predigen“ geht, ist „wirklich glücklich undzufrieden“.
 

... Was tat Amy? Sie erzählt: „Ich bat die Ältesten, mir zu helfen, mein Verhältnis zu Jehova zu retten, und ging wieder zu den Zusammenkünften. Bei einem Lied kamen mir plötzlich die Tränen, weil es mich daran erinnerte, wie glücklich ich während der fünf Jahre im Pionierdienst gewesen war, obwohl ich damals nur wenig besaß. Mir wurde klar: Ich durfte meine Zeit nicht länger damit verschwenden, dem Geld nachzujagen, und musste das Königreich wieder an die erste Stelle setzen. Ich ließ mich an meiner Arbeitsstelle zurückstufen, was mich die Hälfte meines Gehalts kostete, fing wieder mit dem Predigtdienst an und konnte dann einige Jahre den Pionierdienst verrichten. Jetzt verspüre ich eine tiefe innere Befriedigung, wie ich sie nie empfand, als ich noch die meiste Zeit für die Welt arbeitete.

- WT 15.01.2008, S.19.
 

Obenstehendes Beispiel, entnommen aus einem WT-Artikel welcher speziell dazu „ermuntern“ soll „mehr predigen“ zu gehen, zeigt ein Beispiel wie diese Abhängigkeit der suggerierten Momente in denen man sich selber als glücklich, oder zufrieden betrachten darf, sich
auswirken können.
Das einzige was diese „Amy“ glücklich zu machen scheint ist der Predigtdienst, den sie als so genannter „Pionier“ (freiwillig 70 Stunden der Tätigkeit in der Mitgliederwerbung) durchführte.
Wenn ihr bewusst gewesen wäre, das sie einer emotionalen geprägten Weltanschauung unterliegt, in der es Glück nur in Verbindung mit ihrer Religionsorganisation zu geben scheint, dann hätte sie bewusst diese Werte einer guten „weltlichen“ Arbeit neu emotional markieren können.

 

Aber so ist es eine Abhängigkeit in diese Tätigkeit, aufgrund einer zweiseitigen Prägung. Die Durchführung wird intern als das „Beste“ und „Sinnvollste“ gepriesen, was man als Mensch auf Erden durchführen könne:
 

Es gibt für uns wirklich nichts Besseres, als anderen zu erzählen, wer Jehova Gott ist und worin sein Wille besteht. Wir könnten keinem besseren Herrn dienen und keine lohnendere Tätigkeit verrichten.

– „Was lehrt die Bibel wirklich?“, S. 189.
 

Wer sich für das Werk Gottes eifrig einsetzt und immer treu zu Jehovas Organisation hält, der genießt bei Jehova einen sehr guten Ruf und gibt anderen Christen ein gutes Beispiel. Seine Taten werden sozusagen besungen und kommen anderen in der Versammlung zu Gehör.

- WT 15.08.2008, S. 31-32
 

Eine junge Pionierin namens Daphne berichtete...: Wenn du alles tust, was du kannst, um Jehova zu gefallen, dann fühlst du dich richtig gut— echt zufrieden!“ - WT 15.05.09, S.17.
 

Aber was ist mit denen die es, nach der Prägung, nicht tun?
Der lebt fortan mit einem geprägten negativen Gefühl, dem negativen Selbstwertgefühl aus „egoistischen Gründen nicht richtig Gott gedient zu haben“, sprich innerlich leer (sich selber als mit Blutschuld beladen = das eigene Leben verwirkt zu haben).
Ursache ist das geprägte Selbstbild, aber auch das soziale Umfeld dieser Bruderschaft, die in einem uneifrigen und unregelmäßigen „Verkündiger“ einen „schlechten Umgang“ vermuten, welcher keine Ursache liefert „geliebt“ zu werden.

 

In der Bibel habe ich mal gelesen, dass ein Christ in seiner Frucht des Geistes, der Liebe, oder in seiner Bruderliebe niemals nachlassen würde...
 

Eine Prägung hat immer zwei Seiten:
Einmal die offensichtliche und offen ausgesprochene Aussage – dann aber auch die Botschaft, die durch den selbst gebildeten Rückschluss auf sich selbst gezogen wird. Solche Aussagen, welche eine solche Selbstbewertung implizieren, fangen meist mit „wer“ an.

 

Beispiel: „Wer Obst und Gemüse isst, lebt gesund.“ – Rückschluss: Wer es nicht tut lebt
ungesund (Siehe auch „Milton Modell - Vergleichstilgung“.)
Unter dieser implizierten Selbstbeurteilung muss man auch solche Wachtturmaussagen hinterfragen, ob auch jeder dieser Rückschlüsse berechtigt ist. Meistens nämlich nicht.

Aber das wird bewusst offen gelassen. Unser Unterbewusstsein lässt es aber nicht offen.

Die Nichtdurchführung der Mitgliederwerbung führt also zu einem suggerierten kritischen Selbstbild und somit zu einer negativen Gefühlswelt, da es keine Dinge mehr zu geben scheint, durch „profane Dinge“ wie Hobbys, der „weltlichen“ Familie, oder Arbeit, ein innere Erfülltheit verspüren zu können - in diesen Dingen hat sich ein Herz buchstäblich von normalem Leben ausgeschlossen, was sich in Depressionen auswirken kann.

 

Es gibt für einen ZJ keine vergleichende Tätigkeit zur Aufwertung seines Selbstwertgefühles, als wie sein „Predigtdienst“. Es ist seine Daseinsberechtigung...
 

Somit gibt es auch keinen anderen Kanal, in der so ein ZJ sich selber einen Selbstwert zuschreiben könnte – von diesen Tätigkeiten in der Religion sind nämlich dann nicht nur das eigene Recht zum (ewigen) Leben, sondern auch die weiteren sozialen Komponenten abhängig.
 

Die Hobbys machen nur dann Freude, wenn man auch „predigen“ geht, weil diese ja dann keinen „Egoismus“ mehr darstellen, sondern einen Ausgleich zum „Predigen“ bilden.
Wie eine Schallplatte, die jahrelang immer ihre gewohnten Bahnen fährt, fällt es ab einen gewissen Zeitpunkt schwer sich auf neue Bahnen einzulassen, vor allem wenn diese eine negative Markierung erhielten.

 

Das es schlichtweg ein verunglimpftes Selbstbild ist, welches die LK ihren Mitgliedern auferlegt, die es schafft durch suggestive Prozesse einen Menschen in seiner gesunden Selbstliebe zu beeinflussen, dessen sind sich die Mitglieder der Zeugen Jehovas völlig im Unklaren.
 

Aber genau so funktioniert unser Unterbewusstsein eben nur unbewusst; ebenso wie wir die Gründe für unser Verhalten und unser Empfinden eben nicht immer zu durchschauen wissen.