Kapitel 2 – Das "Heimbibelstudium“ oder "Bibelkurs"

 

 

Simon Petrus antwortete ihm: „Herr, zu wem sollen wir gehen?
Du hast Worte ewigen Lebens und wir haben geglaubt und erkannt,
daß du der Heilige Gottes bist
.“


Johannes 6, 68-69 - („NWÜ“)

Ein Interessent wird nicht einfach so ein Zeuge Jehovas.
Es braucht Zeit und Einfluss u.a. ihre spezielle Sprache zu lernen (was intern auch als  „reine Sprache“ bezeichnet wird) und ihre Lehren zu leben („den rechten Weg gehen“, den „Weg des Lebens gehen“, „in der Wahrheit sein“).

 

Erst wenn bereits erfolgreich an die Gruppierung angepasst wurde, selber regelmäßig bei den Leuten geklingelt hatte, der vorgegebene Glaube mit einem nicht kurzen Fragenkatalog kontrollierend abgegefragt, wird dies noch durch die Taufe fest gemacht.
 

Der Taufe voran geht das sogenannte „Heimbibelstudium“, oder einem online-Bibelseminar  (Bibeklkurs) was jeweils die eigentliche Indoktrinierung darstellt, wenn auch eine sanfte Form. Diese kann bis zur Taufe sechs Monate dauern – manchmal auch länger oder kürzer.

Ein Kind von ZJ schon seid dem Zeitpunkt, wo es die Besuche der Eltern der Zusammenkünfte der ZJ bewusst miterlebt, auf seine Art indoktriniert und das witaus tiefgreifender.
 

Ein „echter“ ZJ wird nie aufhören seine Glaubenslehren immer weiter anhand der „geistigen Speise“ zu betrachten und zu verinnerlichen, solange er sich als ein solcher benennen kann.


Dies ist signifikant, weil es heutzutage recht leicht ist via Internet sich mit den allgemeinen christlichen Grundlehren vertraut zu machen. Es gibt sogar Onlinekurse.
 

Wer sich einen Abend Zeit nimmt, kann sich im web sogar genauso schnell über die Sonderlehren der ZJ informieren – oder man denke an die paar Absätze aus Kapitel 1

->"was ein JZ glaubt", wo die Übersicht derer  Glaubensinhalte nicht mal eine DINA4-Seite füllen würde.


Es muss also weit mehr damit verbunden sein, wenn bei den Zeugen Jehovas das Vermitteln von deren Ansichten es mit einer längeren Phase verbunden ist. An dieser Stelle viel mir dieses leichte „sich selbst rühmen“ ein, was ich manchmal in Internetforen mitlese, oder aber auch von damaligen Glaubensbrüdern im Predigtdienst geäußert wurde, das man als ZJ ja immerhin nicht „einfach so“ ein ZJ werden kann, das immerhin ein „Bibelstudium“ dahinter steht, bevor „man dazu gehört“.

Der Leser sei ermuntert selber zu urteilen, am besten nachdem er hier alles eingermaßen verarbeitet hat, ob man sich dieser gerühmten Fakten wirklich selber loben sollte.

Es geht nun aber vielmehr um folgendes:
 

Jehovas Zeugen bieten kostenlose Bibelkurse an, die in der eigenen Wohnung stattfinden können. Grundlage ist das Buch ‚Was lehrt die Bibel wirklich?’.“ - (WT 01.01.2009, S.13)

Oder aktuell:

"Es gibt eine neue Broschüre und ein neues Buch für Bibelstudien – wie begeisternd! Wir beten darum, dass Jehova unsere Bemühungen segnet, noch viele Menschen zu Jüngern zu machen...Bei dem interaktiven Bibelkurs Glücklich – für immer wird eine neue Lehrmethode verwendet. Beachte deshalb bei deiner Vorbereitung und beim Leiten des Kurses die folgenden Richtlinien..."

- (Arbeitsheft der Leben- und Dienst-Zusammenkunft Sept/Okt 2021)"


Anhand "Was lehrt die Bibel wirklich?" , wurden bis zum Jahre 2021  „Heimbibelstudien“ durchgeführt:


„... Er gab ihnen das Buch Was lehrt die Bibel wirklich? und vereinbarte einen Rückbesuch für den nächsten Tag. Bei diesem Besuch begann Orlin mit einem der beiden, Swetomir, ein Bibelstudium, das gleich am nächsten Tag fortgesetzt wurde.“ – (WT 15.09.2010, S.31)

Ab 2018 gab es paralel dazu Was lehrt uns die Bibel? wo noch zusätzlich ->Lehrvideos zu den Inhalten im Buch dazu kamen. Überhaupt war das Jehr 2018 sehr signifikant was Lehrvideos bei Jehovas Zeugen angeht. Das WTG-Buch Bleibe in der Liebe Jehovas, (es wird empfohlen nach der Taufe zu betrachten), wurde mit solchen Zusätzen in Form von Werbefilmen für die eigene Religion, in diesem Jahr ebenso neu aufgelegt.

Seid 2021 verwendet man aktuell also ein sogenanntes interaktives Bibelstudium mit dem Namen Glücklich - für immer, wo man sich zu den Absätzen nun noch zusätzlich Videos anschauen soll. Diese verfolgen m.E. die Absicht der emotionalen Vereinahmung, dies durch natürliche Empathiereaktionen zu Filmfiguren. Im Grunde sind dies meist gut gemachte Werbefilme, mit denselben verfolgten Absichten - etwas emotional zu übertragen.

Doch dazu später mehr.

Eine Frage ensteht aber unwillkürlich daraus:

Wozu Videos betrachten, wenn man die Bibel betrachten wollte?

Das Ziel solcher Veröffentlichungen ist, jemanden dazu zu bewegen, sich den ZJ anzuschließen:
 

„Wie weiß man aber, welche Glaubensgemeinschaft auf diesem schmalen Weg geht? Das Buch Was lehrt die Bibel wirklich? (Kapitel15) liefert dazu wertvolle Anhaltspunkte aus  der Bibel. Damit kann man eine solide Entscheidung treffen, welcher Gemeinschaft man sich anschließen soll.“ – (WT 01.11.2010, S.31)
 

2.0.1. Ein kleiner Überblick spezieller Wachtturmliteratur

 

Vorher gab es zu diesen Veröffentlichungen noch andere Versionen, Vorreiter wie z.B.:


Vom verlorenen Paradies zum wiedererlangten Paradies – (1958)

Die Wahrheit die zum ewigen Leben führt, kurz: das Wahrheitsbuch - (1968 - 1982 neu aufgelegt)
Du kannst für immer im Paradies leben, kurz, das Paradiesbuch - (1989)
Erkenntnis die zum ewigen Leben führt, kurz, das Erkenntnisbuch - (1995)


Alle hier benannten Veröffentlichungen sind, sofern nicht anders erwähnt, von den eigenen Hausdruckereien der Wachtturmgesellschaft (WTG), als hauseigener Zeitschriftenverlag publiziert worden – diese haben daher auch keine ISBN-Nummer.

Es gibt auch verschiedene Lektüre zur „Festigung“ der Glaubensansichten, die man als angehender ZJ vor oder nach der Taufe (alleine oder mit jemanden zusammen) durchgehen kann, wie z.B. die Publikationen:

In der Anbetung des allein wahren Gottes vereint, kurz das Anbetungsbuch (1983)

Den allein wahren Gott anbeten (2002)

Komm Jehova doch näher (2002/2018)

Lebe mit dem Tag Jehovas vor Augen (2006)

 

sowie eigene Konkordanzen, Bibellexika u.v.m. (-> vergl. Prediger 12:12).


Interne Publikationen zur Kindes- Indoktrinierung sind z.B. „Mein Buch mit biblischen Geschichten“ (1978), „Fragen junger Leute – praktische Antworten“ (1989) oder "Was wir aus der Bibel lernen können" (2018).
 

So lange es die Wachtturmgesellschaft gibt, wird es von ihr auch neue Veröffentlichungen geben. Ich denke nur mal an die monatlichen „Wachtturm“-Ausgaben (WT), welche ebenfalls Bibelerklärungen im sinne des "Sklaven" beinhalten.
 

Hier bei den Wachtturm(WT)ausgaben an sich galt es einige Zeit lang (seid Januar 2008) von einem „internen WT“ und einen WT „für die Öffentlichkeit“ zu unterscheiden. Der für die Öffentlichkeit war auf den 1.des Monats datiert, der interne auf dem 15. - ein Beispiel:

WT 15.10.2009 ist ein interner Wachtturm vom 15.Oktober aus dem Jahre 2009.

Doch irgendwann hatte man es verzichtet den 1. und 15. als Bezeichnung zu verwenden, sondern nannte es schlicht um in Wachtturm-Studienausgabe (von März 2000 z.B.), wo anhand diesem die internen Lehren weiter gepflegt werden und eine Veröffentlichung mit schlicht "Wachtturm" (vom Monat und Jahr), welcher dann eher für Werbezwecke gedacht ist.
 

Ab und zu wird hier auch aus dem einen oder andern „Königreichsdienst“ („Unser Königreichsdienst“), zitiert, was ich leider nur für Deutschland zur Hand habe, was ein anderes internes Blatt für getaufte ZJ darstellt (nur für „regelmäßige Verkündiger“), welches ebenso jahrzehnte lang spezielle Gedanken und Anweisungen speziell für den „Predigtdienst“ lieferte. Die Nachfolgerversion davon nennt sich "Arbeitsheft der Leben- und Dienstzusammenkunft", dies seid Januar 2016.

Aber auch aus dem „Erwachet“, einer Begleitzeitschrift zum WT, soll die eine oder andere Aussage hierbei passender Gelegenheit ihre Erwähnung finden.
 

-
 

Zurück zum Thema:
Anstatt also die Bibel selber zu betrachten, werden mit einem Interessierten die Glaubensansichten der Zeugen Jehovas anhand eines Buches betrachtet, wenn es um deren Glaubensgrundlagen geht, sowie einer Menge an weitreichender Literatur.


Derzeit nun mal die Veröffentlichung "Glücklich - für immer" seid dem Jahre 2021 für den,

der mit ZJ die „Bibel studieren“ möchte.

2.1. - Vorteile externer Schriften

- Nachteile für die Objektivität bez. der Herangehensweise an die Bibel an sich


Hier kommt also der Neuling zum ersten mal mit der „geistigen Speise“ in Verbindung, welche an sich einen Grund zum hinterfragen liefern sollte:
Warum wird diese Veröffentlichung durchgegangen - "Glücklich für immer!" -  und nicht die Bibel selber?

 

1. Weil es sich nur um eine partiell geringe Anzahl an Bibelaussagen handelt, welche für die speziellen Glaubensansichten eines Zeugen Jehovas relevant sind.
Diese werden auch nicht studiert, sondern lediglich zitiert um dann in einer Interpretation auszuhelfen wie sie für die Gruppierung relevant ist, oder um eine eigene Lehraussage mit der Bibel zu „stützen“.

 

2. wird man in eine emotionale Schiene eingeführt, da die Gedanken nicht sachlich, sondern „liebevoll“ vermittelt werden sollen. Das Buch und die Videos unterstützen die emotionale Vereinnahmung.
 

3. Das „Heimbibelstudienhilfsmittel“ (HBSH) soll nebenbei so viele Zielgruppen wie möglich ansprechen, was im nächsten Kapitel genauer raus gestellt wird.
 

4. Die eigene Hermeneutik (spezielle Bibelauslegung einer Kirche) kann in einem externen Publikationen besser herausgestellt werden, was die Bibel an sich nicht macht. Sie erklärt sich eigentlich von selbst (->2.Timothes 3, 16-17). Man braucht keine andere Literatur wenn es um die Lehren der Bibel an sich gehen würde.


5. Auch kann man in einem solchen „Hilfsmittel“ Methoden verwenden, welche die Bibel nicht verwendet – siehe hierzu die Kapitel 6 und 7.

Hier kann man auch Ängste schüren und Methoden anwenden, welche die Vorbereitung zur Konformität gegenüber dem „Sklaven“ begünstigen.
 

Die Bibel selber wird jedoch zum Nebendarsteller.
Die Betrachtung dieses HBSH, erhebt somit nur einen äußeren Anspruch, genauer gesagt hegt es somit nur den Anschein, sich mit den Lehren der Bibel zu beschäftigen, was jedoch exklusiv nur das aus der Bibel als „Wahrheit“ darstellt, was der „Sklave“ (die leitende Körperschaft, LK) als solche darstellen möchte.


Der angehende Interessierte wird also nur eine einseitige Sicht der Dinge erfahren, wenn er sich selber nicht gut genug in der Bibel auskennt, womit klar sein dürfte, welche Zielgruppe dieses Buch ansprechen soll:
 

Menschen die es aufrichtig mit der „Gottesfindung“ meinen (womit die Gründe eines Wunsches nach einer Religion zusammengefasst werden sollen – siehe die „Einführung“ des nächsten Kapitels), sich aber nie ernsthaft mit den biblischen Grundlagen des eigentlichen christlichen Glaubens beschäftigt haben.
 

Leider haben dies die großen Kirchen tatsächlich versäumt, ihren Mitgliedern einen ausgeglichenen Bibel-fundierten Glaubensgrundkurs mit auf dem Weg zu geben, wo ein ZJ mit den HBSH seiner Organisation problemlos ansetzen kann, um diese Lücke zu „füllen“.

Dafür gibt es aber viele Freikirchen, welche einen Menschen in seiner Glaubensfreiheit ernst zu nehmen wissen, wenn dieser sich intensiver mit seinen Glauben beschäftigen möchte.

Dieser wird dann meist eingeladen Angebote aufgrund seines Wunsches wahrzunehmen, welche jedoch von Gemeinde zu Gemeinde variieren können (Alpha-Kurse*, Bibelgruppen in den Gemeinden selbst oder in Hauskreisen, persönliche Gespräche mit Pastoren etc).

Der Leser soll hier bitte die Information mitnehmen, das alles aus der Bibel so dargestellt werden kann wie man möchte, in dem man einfach das gewünschte herausstellt und die konträren Bibelaussagen außen vor lässt, und/oder die eigene Hervorhebung einfach mit einer eigenen Interpretation verziert. Ein solches Vorgehen ist aber kein Vergleich mit der Erstellung der christlichen Theologie, welche viele weitere Aspekte zu berücksichtigen pflegt.
 

Die Vernünftigen Aspekte einer sinnvollen Exegese (Auslegung) der Bibel und wie diese von der LK bewusst ignoriert werden, wird innerhalb der Einführung zum Kapitel 4 verdeutlicht.
 

Hinweise zur tatsächlichen christlichen Lehre, ohne unnötige Fragmente eines fundamenta-listischen Bibelglaubens, sollen hier nur als Erklärung verstanden werden, wovon genau sich Zeugen Jehovas zu trennen bemühen und welche psychologische Folgen dieses Vorgehen für die Mitglieder hat, welche im Sinne ihrer „geistigen Führung“ verlaufen.
Also nicht als „Löffel der Weisheit“, sondern um die Bewandtnis hinter dieser Methode anzuzeigen und aufzuschlüsseln.


Unter einer Informationsmanipulation versteht man die absichtliche Verfälschung von Nachrichten durch Zusätze und/oder Auslassungen, im Sinne des Manipulators.
Mit der Bibel kann man im Prinzip genauso vorgehen und aus ihr heraus das darstellen was man möchte und dies mit der passenden Rhetorik ganz leicht glaubhaft rüber bringen – Voraussetzung ist lediglich, das der Mensch gegenüber sich nicht in der Bibel auskennt und sich daher leicht von der „Bibelkenntnis“ eines Zeugen Jehovas beeindrucken lässt.

Dieser Eindruck wird zu einer bewusst justierten positiven Prägung, von der dann der Mani-pulierte trotz vorliegender Faktenlage nicht von abweichen wollen würde.

2.2. Methoden zum authentischen Bibelstudium

Eines vorab: Die Bibel ist und bleibt nun mal ein "dicker Wälzer". Wer wirklich sich mit ihr intensiv beschäftigen will, kommt gar nicht drum herum um genügend Zeit dafür einzuplanen.


Ein authentisches Bibelstudium, das was man im privaten Rahmen sinnvoll durchführen könnte, beschäftigt sich mit dem kompletten Kontext, unter der Berücksichtigung mehrerer Bibelübersetzungen, sowie der 5W-Methodik (abgeleitet aus der „Formgeschichte“ oder „Formkritik“ – siehe Kapitel 4), welche jederzeit, nach jedem gelesenen Vers, einerPassage oder einem Kapitel angewendet werden kann.
 

Die 5W-Methode ist eine einfache Fragestellung mit der man den Zweck und den Nutzen eines einzelnen Bibelverses für sich selber ergründen kann: „Wer sagte was, wann zu wem und warum?“, oder „Wieso wurde dieser Vers aufgezeichnet, was vermittelt er an wen und wieso?“


Mit dieser zweckgerichteten Analyse eines Verses, oder einer gesamten Passage, wird ausgeschlossen, dass eine biblische Aussage zu einem fremden Zweck, für eine andere Erklärung als wie sie im Grunde aufgestellt wurde, ausgelegt wird.

 

Einen Bibelvers zu einem anderen Zweck anzuführen zu wollen als wie er ursprünglich aufgezeichnet wurde, sollte ein nogo im Umgang mit derBibel sein.

Denn wenn die Bibelpassage wirklich von Gott inspiriert ist um etwas aufzuzeigen, dann sollte man diesen vom Verfasser festgehaltenen Gedanken verfolgen, diesen aber nicht zu einem anderen Zweck missbrauchen.

Leider basieren die kompletten Sonderlehren der Jehovas Zeugen auf genau so einen unredlichen Umgang mit Gottes Wort. Denn wenn die Bibel Gottes Wort ist, sollt man die Gedanken der Autoren verfolgen, so wie sie diese ursprünglich gedacht hatten - sie aber nicht zweckentfremden. Doch bei Jehovas Zeugen ist dieser Umgang mit der Bibel Gang und Gäbe, ja es wird so gehandhabt als wäre es was normales.

Beispiele werden u.a. ->hier angeführt.

Der Inbegriff des Bibelstudiums (was im privaten Rahmen möglich wäre) ist das

->„Induktive Bibelstudium“. Ich empfehle diese hier als gute Methode, da die Bibel tatsächlich sich selber erklärt, wenn man weiß wie und was man alles beim Bibellesen beachten kann.
Manche Gemeinden bieten dieses als Gruppenkurs an.
Ein gutes Buch was zum gezielten Bibellesen einzelne Begrifflichkeiten aus dem hebräischen und griechischen Grundtext erklärt, ist zusätzlich vom Vorteil, wobei die revidierte Elberfelder-Bibel hier an sich schon ziemlich gut wiedergegeben wurde.
Die Thompson Studienbibel ist hier wegen den zusätzlichen Einblicken der damaligen jüdischen Gepflogenheiten erwähnenswert.


Wer Gelegenheit hat und das möchte, kann auf eine Bibelschule wie in ->Wiedenest gehen, wo man u.a. die Bibel Vers für Vers innerhalb von zwei Jahren durchgehen kann. 

Wenn man sich allein für das von Jesus initiierte Evangelium interessiert, fängt man mit dem neuen Testament an. Das alte Testament ist deswegen nicht uninteressant. Es ist aber ein Unterschied wenn man selber keinen Bezug zum christlichen Glauben hat und mit dem alten Testament anfängt die Bibel zu betrachten, als wenn man wie ein damaliger Christ voller Glauben an Christus als den Messias diese Schriften als eine prophetische Quelle betrachtet.

Die Bibel enthält im Prinzip eine Basis an Glaubensaussagen, eine Übersicht darüber wie aus dem Judentum und der darin enthaltenen Prophezeiungen auf den Messias hin, es zu dem Glauben an Jesus Christus gekommen ist.

Menschen aus Zeiten des NT bezogen sich manchmal auf das „Gesetz und die Propheten“ (Math.7,12; 22,40; 24,44; Joh.1,45; Apg. 24,14; Römer 3,21 u.a.), wenn es um Prophezeiungen geht die sich an Jesus erfüllt haben sollen. Das ist auch etwas was für viele der heutigen Christen von Interesse ist.

Sie enthält aber auch eine Anzahl an Geschichten (in manchen Bibelübersetzungen selbst werden sie als Geschichten bezeichnet), welche einen größeren Wert für den damaligen Glauben der Hebräer darstellte und selbst im NT nicht mehr erwähnt werden.

Verse aus den Bibelbüchern Ruth, 1. und 2.Chronika sowie 1. & 2.Könige z.B., werden im NT gar nicht mehr rezitiert. Aber das soll nicht ausschließen, das der eine oder andere einen persönlichen Nutzen aus diesen Bibelnbüchern findet.
 

Die Aussage „die ganze Schrift ist von Gott gegeben“ (2.Timotheus 3,16), kann sich also nur auf das beziehen, was der damalige Jude bereits als „Schrift“ zusammengelegt hatte („das Gesetz und die Propheten“).
 

Auch wurde diese Aussage aus 2.Timotheus getätigt, da waren Teile des NT noch nicht einmal zusammengestellt – die Bibel selber wurde erst ca. 3 Jahrhunderte später zu einem Gesamtwerk erklärt, als Buchform noch viel später.

Dennoch kann man von mir aus auch 2.Timotheus 3, 16-17 auf die ganze Bibel beziehen, so wie sie uns vorliegt. Problematisch wäre es aber, wenn ich diese Sicht anderen Leuten aufdrängen wollte.
 

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Fußnote *: Wenn es jemanden an sich um die christlichen Glaubensinhalte geht, empfiehlt es sich einen „Alphakurs“ wahrzunehmen, wo innerhalb von bis zu 10 Abenden die Kerngedanken des christlichen Glaubens, ohne jemanden in eine Konfession zerren zu wollen, vermittelt werden. Dieser wird ebenso in Gruppen von diversen Kirchen und Gemeinden angeboten.

Die grundlegenden Glaubensinhalte werden in einer Anspach vermittelt und später in kleineren Gruppen diskutiert, wo auch Fragen beantwortet werden. ->weitere Infos

->zurück zum Absatz

 

2.3. Gedanken zur „Kluft zur Christenheit“


Bekanntlich gibt es bei Jehovas Zeugen Glaubensinhalte welche von der allgemeinen Christenheit abweichen: Verneinung der Dreieinigkeit, Verneinung der Anbetung Jesu, Verneinung des Kreuzes usw.
 

Auszüge aus der WT-Literatur verdeutlichen nach einer Analyse, das eine innere Kluft, wenn nicht sogar eine innere Barriere, der Studierende zum Christentum entwickeln soll, um sich dann aber selber als „wahrer Christ“ zu bezeichnen.


Die Einheit der wahren Christen bildet einen auffälligen Gegensatz zur Uneinigkeit in den Kirchen der Christenheit. Diese konnte letztlich nur entstehen, weil ein heidnischer römischer Kaiser im 4.Jahrhundert starken Einfluss auf eine damals weitverbreitete abtrünnige Form des Christentums nahm.“ – WT 15.06.2010, S.14
 

Doch bald wird er deutlich zu erkennen geben, dass er gegenwärtig ist: wenn er nämlich Jehovas Strafurteil an den verschiedenen Teilen des teuflischen Systems vollstreckt. Das „Offenbarwerden seiner Gegenwart“ wird nicht zu übersehen sein, wenn „der Mensch der Gesetzlosigkeit“ — die Geistlichkeit der Christenheit — vernichtet wird.

– WT 15.09.2010, S.28


Ein ZJ ist sogar scheinbar stolz auf diese Abgrenzung, wo ich ebenfalls hunderte von Zitaten in der Art wie hier oben angeführt bringen könnte, wo man nicht versäumt diese Kluft zu erweitern.


Wer selber „Herr“ sein möchte (auch wenn dieser sich scheinheilig "Sklave" nennt), bei dem findet der Herr Jesus als persönlicher Mentor keinen Platz.

Ein Glaube, wo der Sinn im Leben alleine von Jesus und der daraus resultierenden Gottesbe-ziehung abhängig ist, oder besser gesagt „genügen würde“, man aber dennoch als „leitende Körperschaft“ selber „Herr“ sein möchte, da muss dieser Jesus seiner Position beraubt werden, damit man das „Seelenheil“ von der Mitgliedschaft, was den Gehorsam gegenüber der LK als Herrn mit einschließt, abhängig gemacht werden kann.

Auch wenn es letztlich so ist, würde ein ZJ das so nie formulieren.


Selbst die „Gnade“ Gottes wird zu 99,9% aus derer Bibel verbannt und mit „unverdienter Güte“ übersetzt, um den Mitgliedern zu suggerieren, dass ihre Rettung  ja eigentlich „unverdient“ sei und daher mit Glaubenswerken „bewiesen“ werden müsse. Tatsächlich kommt das Wort Gnade nunmehr ein einziges mal in einer neuen Version der NWÜ von 2018 vor.


Die Heilgewissheit durch die Gnade Gottes, das Erbe als Kinder Gottes schlechthin, wovon im Römerbrief immer wieder die Rede ist, wird durch Werksgerechtigkeit ersetzt.
Diese „Werksgerechtigkeit“, wo Glaubenswerke zum ewigen Leben führen sollen, dies durch Werbung für die WTG mit deren zu übertragenen Glaubensansichten des „Sklaven“, soll dieses außerbiblische Bild, was die LK über sich selbst liefert (der es mit dem Gehorsam wie Gott gegenüber zu begegnen gilt), als ein Bild der möglich verborgenen Motive zur Verleugnung der übrigen, der „falschen Christenheit“, etwas abrunden.

 

Das diese Jesus-Entfremdung keine Erfindung sondern eine Methode ist, letztlich um an diese Organisation zu binden, ist nun wirklich kein Geheimnis mehr.
 

Einem ZJ wird daher ein anderer Glaube an Jesus gelehrt, doch nur eben nicht im Sinne des „befreienden“ Evangeliums, sondern viel mehr ein „bindendes“, eines wo man in einer Gruppierung gefangen ist, ohne persönliche Glaubens- Meinungsfreiheit u.a. zur eigenen Religion.
 

Das Evangelium der ZJ ist somit ein anderes als das der Bibel und somit anders als das der allgemeinen Christenheit. Von daher gibt es einen Grund mehr auf ein „Heimbibelstudien-hilfsmittel“ zurück zu greifen, mit ihren externen Erklärungen welche die Bibel an sich nicht aufweist, aber nur die ZJ sie lehren.


Hier in Europa mag man sich denken, das wir ja rein kulturell gesehen aufgeklärte Menschen sind, wo man sich per Internet alle Informationen, das „für und wider“ die ZJ betreffend, besorgen könnte. Man bedenke dann aber auch, dass in den Entwicklungsländern oder in den südamerikanischen Gefilden eine solche Möglichkeit nicht gegeben ist, so das schlicht und ergreifend die Infos fehlen, so dass diese Organisation tatsächlich in solchen Ländern leicht einen immensen Zuwachs verzeichnen kann. Einseitige Informationen werden dort schnell zu Hauptinformationen welche das religiöse Weltbild fortan bestimmen mögen.

Auch werden in unsrem Land die Kinder von JZ jeweils von ihren Eltern in dieser Religion erzogen, welche nicht wirklich eine Wahl haben.

Und was einmal von diesen Menschen alles als „Wahrheit“ angelegt wurde, auch wenn es eine Fremdüberzeugung ist, legt man nicht so schnell wieder ab...
 

Ablauf:
In der Regel trifft der Zeuge Jehovas sich bei den „Studierenden“ zu Hause und geht gemeinsam mit ihm den verabredeten Lehrstoff durch. Zu Pandemiezeiten wird es aber auch telefonisch durchgeführt „Unerfahrene Verkünder“ werden das Studium an „reifere Prediger“ abgeben. Auch wird in der Regel darauf geachtet, dass der ZJ und der “Studierende“ dasselbe Geschlecht haben.


Ein Absatz wird laut vorgelesen (wenn vorgesehen auch ein Video dazu angesehen)  und aus dieser eingegrenzten Informationsbasis heraus, soll die Antwort auf die im Anschluss gestellte Frage gegeben werden, auf die sich der „Interessierte“ vorbereiten konnte.

Die Fragen hat immer der „Lernende“ zu beantworten. Die Absätze und Fragen sind jeweils durchnummeriert und aufeinander abgestimmt.
Angeführte Bibelstellen können nachgelesen werden, jedoch nicht um zu ergründen weshalb diese Verse aufgezeichnet wurden, sondern um zu suggerieren das die Bibel an dieser Stelle selbst dann etwas zum Thema zu sagen hat, auch wenn es sich um eine unbiblische Sonderlehre der Jehovas Zeugen handelt.
Dem Zeugen Jehovas ist dann wichtig zu wissen, ob der Studierende die Ansicht aus der Veröffentlichung als seine persönliche Meinung übernommen hat oder nicht, von der dieser meint, das es eine biblische Ansicht ist.

 

Hier sind Diskussionen zwar erlaubt, aber man versteht es diese mehr zu umgehen als wie man diskutieren könnte und sollte.
Z.B. wird mit dem Einsatz von Suggestivfragen eine schnellere Übernahme von Ansichten begünstigt, wo man jedoch erst mal über eine Sache nachdenken sollte...


Hat der Interessierte die Lehrmeinung wie gewünscht adaptiert, oder wenigstens verstanden, geht man einen Absatz weiter. Wenn nicht, dann versucht man „unklare“ Gedanken zu vertiefen, oder zu einem späteren Zeitpunkt neu aufzugreifen - auf jedenFall ist gewünscht das man die Ansicht übernehmen soll, die man sich auch mit übertragen lässst. Dies an sich hört sich nach einem „harmlosen“ Informationsaustausch an, welcher bis zum Ende der Publikation fortgeführt wird...

2.3.1. Indoktrinieren

Mache mir Gedanken inwieweit ich diesen Begriff auf das "Studium" eines Interessenten anwenden kann. Ich möchte auch keine Meinung vorweg nehmen und schon gar nicht den Wunsch an sich, sich mit der Bibel beschäftigen zu wollen, negativ bewerten, auch wenn das jemand bei den Jehovas Zeugen tun möchte.

Fragt man verschiedene Lexikas was eigentlich indoktrinieren bedeutet, erfährt man folgendes:

"schwaches Verb - durch Indoktrination beeinflussen, in eine bestimmte Richtung drängen - "jemanden ideologisch, politisch indoktrinieren"

- Oxford Languages (google Wörterbuch)

"einer Person eine politische Überzeugung, Ideologie, Meinung aufdrängen (1); einer Person eine politische Überzeugung, Ideologie, Meinung aufdringlich, forciert vermitteln,

 einreden (1 a)"  

-> DWDS

"[1] eine Doktrin (ideologisches System von Aussagen und Ansichten bzw. einen politischen Leitfaden der Regierung) unter Ausschaltung jeglicher Kritik mit dem Anspruch auf Allgemeingültigkeit vertreten und andere Ansichten als "unwahr" darstellen; in eine bestimmte Richtung drängen, beeinflussen"

->wikipedia; Wikipedia selbst hat es aus dem Duden.

"I. bezeichnet eine gezielte, massive Manipulation der Einstellung, Meinung oder Werthaltung von Individuen oder (gesellschaftlichen) Gruppen durch gesteuerte, einseitige Information, unter Einsatz psychologischer Techniken oder unter Zwang. Ziel ist die Unterdrückung selbstständigen Denkens, die Verhinderung (politischer) Kritik und/oder eine ideologische Gleichschaltung." ->bpb

Soweit zur Begriffserklärung.

Ich denke ich greife diese Frage, ob man bei Jehovas Zeugen indoktriniert wird oder nicht, nochmal am Ende der weiteren Seiten auf, nachdem der Leser die Hauptthemen einigermaßen verarbeitet hat.

 

Wenn man an den Begriff Gehirnwäsche denkt, ist dieser einmal als Vorgang mit Gewaltanwendung zu verstehen, was bei Jehovas Zeugen nicht zutreffen dürfte.

Doch die eigentliche Funktion wird wie folgt beschrieben:

"Gehirnwäsche bzw. mentale Umprogrammierung wird nuanciert, mit sorgfältig aufeinander abgestimmten Programmen, schleichend und subtil durchgeführt, damit die Betroffenen nicht bemerken, wie sie schrittweise gefügig gemacht werden und bei ihnen bestimmte Verhaltensweisen fremdgesteuert ausgelöst werden. Die Betroffenen sollen nicht erkennen, wie ihr Verhalten in die beabsichtigte Richtung gelenkt wird, indem soziale und psychologische Faktoren durch direkte oder unterschwellige Beeinflussung geschickt manipuliert werden. Gewaltanwendung ist dabei nicht zwingend erforderlich, wie man bereits in den 1950er Jahren bei Gehirnwäscheversuchen in China herausgefunden hat. Heutige Psychogruppen und Sekten greifen zur Manipulation ihrer Adressaten auf jahrzehntelang erforschte und entwickelte Psychotechniken zurück, um ihre Manipulationsprogramme zu perfektionieren. Methoden zur Verhaltensänderung durch mentale Umprogrammierung unterdrücken jede Form der Kritik. Sie sind durch die Diffamierung von Kritikern gekennzeichnet. In Ermangelung sachlicher Argumente behaupten die Protagonisten diverser Psychogruppen, dass Kritiker grundsätzlich nie recht haben. Dabei arbeiten sie oft mit Unterstellungen: Indem sie ihren Kritikern persönliche Rachemotive oder menschliche Schwäche andichten, wird versucht sie unglaubwürdig zu machen. Die Argumentationsmuster rechtsextremer Kreise, die der Verbreitung ihrer „Wahrheit“ dienen, sind durch latente Verbalattacken und Aggressivität geprägt, bei militanten Gruppen findet sich auch offene Gewaltbereitschaft." ->wikipedia/gehirnwäsche

Den Leser überlasse ich nun, auch aus der perspektive kommender Seiten, ob er diese Beschreibung nun gar nicht, teilweise oder ganz auf die Methoden der Wachtturmorganisation übertragen möchte.

Dies bitte unabhängig von meiner Meinung, wenn ich ab und zu von "indoktrinieren" spreche - das darf der Leser natürlich ganz anders sehen und freue mich über Anregungen und Austausch wie man dieses sensible Thema sonst angehen könnte.

Bei den Leuten klingeln.

Wenn man ein Jehovas Zeuge werden will, muss man dies bereits vor der Taufe als solcher, regelmäßig machen.

2.Timothes 3, 16+17 zeigt recht eindeutig, das es allein der heiligen Schrift bedarf, u.a. um im Gemeinden zu lehren, oder um zu wissen wie man ein Gott gefälliges Leben führt.