Übersicht Kap. 5 - Teil 2

Kapitel 5 - interne Mechanismen - Teil 2

5.9. Freundschaften

 

Die positive Resonanz der übrigen „Bruderschaft“, wenn man diesenDienst regelmäßig und eifrig durchführt, sorgt für das Gefühl derGemeinschaft und Anerkennung, von dem man m.E. ebenso in Abhängigkeit geraten soll.

Was man den Studierenden vorher nicht gesagt hat ist, das die Liebe und Freundschaften der ZJ untereinander mit an die Vorstellungen der LK geknüpft ist, wie ein guter Freund oder „guter Umgang“ innerhalb derBruderschaft der ZJ letztlich auszusehen hat.

 

Man hat ihn schließlich auch nicht gesagt das „Liebe“ nur ein Werkzeug war, mit dem er in diese Gruppierung gelotst wurde. Es handelt sich somit um eine verführte Liebe die einen ZJ, trotz besserer Argumente, in seine Religion geführt hat und ihn nun an diese bindet.

„Verführt“ deshalb, weil es keine bedingungslose „Bruderliebe“mehr geben wird, sondern von der Aktivität in Verbindung mit der WT-Organisation abhängig gemacht wird – richtig, das hat man ihm auch nicht fairerweise vorher gesagt...

 

Wieso „abhängig“? Klar ist, das ein jeder nur speziellen Menschen seineAffinität der gegenseitigen Liebe gewähren möchte – Freunde, Bekannte, Partner, Kollegen, Eltern etc. – eben am liebsten die, die einem „ans Herz gewachsen“ sind. Wenn es um Liebe geht, ist in der Regel jeder Mensch irgendwie von jemand anderen abhängig und das ist ja auch normal.

 

Doch die LK hat ihre eigenen Vorstellungen, was die Voraussetzungen betrifft, wann an wem ein ZJ seine Art der Liebe zum Ausdruck bringen kann. Bevor ich das weiter thematisiere sollte ich erwähnen, das es selbst innerhalb dieser Gruppierung Menschen gibt, die ein ZJ (oder gar eine ganze Versammlung) als „schlechten Umgang“ bezeichnet, wovon abgeraten wird, eine Freundschaft mit solch bezeichneten Personen einzugehen, zu pflegen, oder auszubauen.

 

Wie es genau dazu kommt erkläre ich wiederum am besten zuerst mit dem Wunsch der LK, diese Bandbreite an Personen mit denen die aufrichtigen Anhänger einen näheren Kontakt ausbauen könnten, nur auf die eigenen Mitglieder einzugrenzen:

 

„Wahre Freunde sind unter denen zu finden, die Jehova lieben“. – WT 15.03.2005, S. 24.

 

„Würden Sie gern zu einer Gruppe Menschen gehören, die dafür bekannt ist, dass sie Liebe untereinander hat? (Johannes 13:35). Jehovas Zeugen aus Ihrer Nachbarschaft sind Ihnen gern dabei behilflich, wahre Freunde zu finden.“- WT 01.03.2006, S. 32.

 

Freundschaften mit Andersgläubigen werden zwar nicht offiziell verboten, doch statt dessen wird nahegelegt diese gar nicht ersteinzugehen:

 

„Freundschaften mit Menschen aufzubauen, die Jehova nichtlieben, kann unser Verhältnis zu ihm ruinieren.“ - WT 15.02.2008, S. 27

 

„Was ist zum engen Umgang mit Menschen zu sagen, diewohl sittlich rein sind, denen es aber an Glauben an denwahren Gott fehlt? Die Bibel sagt: „Die ganze Welt liegt in derMacht dessen, der böse ist“ (1. Johannes 5:19). Wir sehenschon, dass sich schlechter Umgang nicht auf Menschenbeschränkt, die eine lockere oder gar keine Moral mehr haben. Deshalb tun wir gut daran, nur mit denen eng befreundet zusein, die Jehova lieben.“ - WT 15.03.2006, S. 23.

 

Anmerkung d.A.:

 

„die Jehova lieben“ = ZJ,

„die Jehova nicht lieben“= Nicht-ZJ.

 

Natürlich mag man jetzt denken, wenn man persönlich einen ZJ „ganz anders“ kennt, das ein solcher durchaus „weltoffen“ rüberkommt. Aber man kann einen solchen eben nur vor dem Kopf schauen. Selbst eine „Unvoreingenommenheit“ eines ZJ ist nur eine aufgesetzte, die einmal nur eine Folgeleistung einer Vorgabe des Sklaven entspricht.

 

Oder er nimmt seine Religionsvorgabe nicht sehr ernst („schlechterUmgang“) und sucht entgegen der Vorgaben des „Sklaven“ seine Selbstbestätigung eben auch woanders als innerhalb der Gruppierung – was menschlich gesehen eine ganz natürliche Sache ist, wo ich nie was gegen sagen würde. Oder er verheimlicht die „ganze Wahrheit“, was ein Teil der „theokra-tischen Kriegslist“ ist.

5.10. Die „theokratische Kriegslist“

- das Verheimlichen der „vollen Wahrheit“
 

Sie lesen richtig. Ein ZJ wird aufgefordert nicht die ganze Wahrheit zu enthüllen wenn es der eigenen Sache dienlich ist. Ob dies einer Lüge gleich kommt, dürfen Sie gerne selber beurteilen. M.E. ist nur eine ganze Wahrheit eine Wahrheit.

Halbiert man ein Automobil in seiner Mitte so kann es nicht mehr als Auto agieren.
Halbiert man eine Wahrheit, dann kann man davon ausgehen das sie als Wahrheit nicht voll funktionsfähig ihre Wirkung erzielen kann, als wie sie ansonsten und zu Recht erfüllen müsste.
 

Über die theokratische Kriegslist wurde schon in anderen Werken einiges geschrieben.

Ich verweise hier z.B. auf den Artikel „Lügen vor Gericht und Religion“ - Eine Analyse der Lehre der Zeugen Jehovas von der „theokratischen Kriegsführung“, von Dr. Jerry Bergman (Northwest State College - Archbold, Ohio).
 

Ein in deutsch geschriebener Auszug aus genannten Werk ist im Internet leicht zu finden.

Hier werden übrigens auch konkrete Fallbeispiele aus dem amerikanischen Raum geliefert, wo schon in den 50er Jahren das Lügen vor Gericht aufgrund einer Vorgabe aus einer Religion
thematisiert wurde – sogar im speziellen die „theokratische Kriegslist“ der ZJ.

 

Hier in Deutschland ist diese „Kriegslist“ den Gerichten eher unbekannt . Man rechnet nicht mit einer religiös motivierten Lüge, obschon es in den Publikationen des „Sklaven“ regelrechte Anregungen dazu gibt.

 

WTG-Ausgabe „Erwachet!“ vom 08.02.2000, S. 21:
 

„Wahrheitsliebend zu sein bedeutet natürlich nicht, daß man verpflichtet ist, jedem bestimmte Informationen preiszugeben, der danach fragt. „Gebt das Heilige nicht Hunden, noch werft
eure Perlen Schweinen vor, damit sie ... sich [nicht] umwenden und euch zerreißen“ (Matthäus 7:6). Zum Beispiel haben Menschen, die schlechte Absichten verfolgen, oft nicht das Recht, gewisse Dinge zu erfahren. Christen wissen, daß sie in einer feindlichen Welt leben. Darum riet Jesus seinen Jüngern, „vorsichtig wie Schlangen“ zu sein und doch „unschuldig wie Tauben“ zu bleiben (Matthäus 10:16; Johannes 15:19). Jesus hat nicht immer die ganze Wahrheit enthüllt, besonders dann nicht, wenn das Preisgeben aller Tatsachen ihm oder seinen Jüngern unnötigerweise Schaden zugefügt haben könnte.“

 

WTG- „Einsichtenbuch“, Stichwort „Lüge“:
„Das Gegenteil von Wahrheit. Das Lügen schließt im allgemeinen eine Falschaussage gegenüber einer Person ein, die berechtigt ist, die Wahrheit zu wissen, mit der Absicht, sie oder jemand anders zu täuschen oder ihr bzw. dem anderen zu schaden.“

 

Anmerkung des Autors: „ ... einer Person, die berechtigt ist, die Wahrheit zu wissen ...“.

Hier muss ich ergänzen, das in den Augen eines ZJ nur die Menschen aus der eigenen Gruppierung zu den Berechtigten gehören „die Wahrheit zu wissen“ - und zwar die „volle
Wahrheit“.

 

Andere Menschen, vor allem „Gegner der Wahrheit“ (selbst wenn diese nicht mal wissen das sie von den ZJ so betrachtet werden), aber auch „Ungläubige“ oder „Weltmenschen“, „Menschen die zur Wahrheit nicht richtig eingestellt sind“, würde ein ZJ nicht alles sagen, was für die Ansichten eines ZJ ausschlaggebend ist, sowie was die internen Glaubenssätze angeht.
 

Hier greift übrigens auch, sehr geschickt, die interne Bedeutung dieses Wortes „Wahrheit“ an sich, welche man meint durch ihre Vorenthaltung zu verteidigen:

Die Wahrheit welche im Gegensatz zur Lüge steht, also diese Grundbedeutung, wird emotional mit der Bezeichnung „Wahrheit“ für die eigene Gruppierung sowie ihren Ansichten verwoben, so das ein ZJ sich nicht verpflichtet fühlt, vor einem Gericht z.B., die „volle Wahrheit“ zu sagen, gerade weil er in dieser sich zu wägen glaubt. Siehe auch ->"Schlagwörter".
Weiter aus dem „Einsichtenbuch“:
 

„Bösartiges Lügen wird zwar in der Bibel deutlich verurteilt, aber das bedeutet nicht, daß man verpflichtet ist, jemandem wahrheitsgemäß irgendwelche Informationen zu geben, die zu
erhalten er kein Recht hat. Jesus Christus gab den Rat: „Gebt das Heilige nicht Hunden, noch werft eure Perlen Schweinen vor, damit sie sie nicht etwa mit ihren Füßen zertreten und sich
umwenden und euch zerreißen“ (Mat 7:6). Deshalb hielt sich Jesus bei gewissen Gelegenheiten zurück, eine vollständige Auskunft zu geben oder gewisse Fragen direkt zu beantworten,
wenn er dadurch unnötigen Schaden angerichtet hätte (Mat 15:1-6; 21:23-27; Joh 7:3-10). Zweifellos muß die Art und Weise, wie Abraham, Isaak, Rahab und Elisa handelten, als sie Personen, die keine Anbeter Jehovas waren, irreführten oder ihnen gewisse Tatsachen verschwiegen, ebenso beurteilt werden (1Mo 12:10-19; Kap. 20; 26:1-10; Jos 2:1-6; Jak 2:25; 2Kö 6:11-23).

 

Anmerkung d.A.: „ ... aber das bedeutet nicht, daß man verpflichtet ist, jemandem wahrheits-gemäß irgendwelche Informationen zu geben, die zu erhalten er kein Recht hat.“
 

Was bedeutet dies für die Praxis? Paradebeispiel lieferten hier in Deutschland die Anwälte der Wachtturmgesellschaft in den 90er Jahren, welche gegenüber dem Staat für ihre Organisation eine „Körperschaft des öffentlichen Rechts“ (den sog. „Kirchenstatus“) einklagten, wo sich die Gerichte natürlich auch ihre Gedanken dazu machen mussten.
 

Doch leider grassierte dies zum großen Teil nur auf den Informationen, welche der Kläger (die deutsche Zweigstelle der WTG) den Gerichten auch nur hat zukommen lassen, bzw. haben die Gerichte bei ihren eigenen Recherchen nur staatliche Quellen einbezogen, wenn es z.B. um
die Frage geht, ob ein ehemaliger ZJ von seiner Familie und der Gruppierung de-sozialisiert wird und ob dort psychologische Problemezu verzeichnen sind. Leider ist der Staat hier aber bei seinen Recherchen nicht immer versiert genug vorgegangen, um sich in so einen Ehemaligen ZJ hineinversetzen zu können.

 

Wirkliche Wortmeldungen von ehemaligen ZJ kamen nur bei den Landesgerichten zu Tage, wo die Öffentlichkeit etwas von dem Bestreben der LK wusste und sich entsprechende Aussteiger zu einer Wortmeldung vor Gericht organisieren konnten.

Man muss sich das auch so vorstellen, das die WTG von Bundesland zu Bundesland diese Klage selber erheben musste, was natürlich nicht an die große Glocke gehängt wurde.
In den Bundesländern jedoch, wo die Öffentlichkeit und damit andere Ehemalige davon wussten, konnten die Einklage für einen Kirchenstatus abgelehnt werden, da nur hier auch die „volle Wahrheit“ ans Licht kam.

 

Hier sollte man wissen, das die Glaubensinhalte aus theologischer Sicht kaum von den Gerichten kritisiert werden müssen und dies in so einen Fall auch gar nicht beurteilen dürfen (Glaubensfreiheit).
Jedoch muss so ein Richter abschätzen können, ob z.B. in so einer Religion Menschen zu Schaden kommen, dies aufgrund ihrer eigens erstellten Glaubensinhalte – oder ob gar Menschenrechte verletzt werden.

Ein anderer Punkt der vor Gericht abgefasst wurde war das Wahlrecht. Eine K.d.ö.R. darf ihren Mitgliedern kein Wahlverbot aussprechen, daher kam es dazu das das deutsche Bundesverwaltungsgericht lt. Pressemitteilung 29/1997 vom 26.6.97 der Antrag der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas mit Sitz in Berlin auf Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts (KdöR) abgelehnt wurde. Was natürlich damals in Berufung ging.

 

Das Gericht begründete seine Entscheidung im wesentlichen damit, dass man von einer Korporation, die solche Rechte beantrage, in Bezug auf den Staat ein Mindestmass von (gegenseitigem) Respekt erwarten müsse und dass sie die Grundlagen der staatlichen Existenz nicht prinzipiell in Frage stellen dürfe. Die Antragstellerin lehne aber (für ihre Gläubigen verbindlich) die Teilnahme an den staatlichen Wahlen ab; das Gericht sprach von einem Verbot der Wahlteilnahme.

Jedoch war es eigentlich jahrelang bei ZJ verpöhnt wählen zu gehen:

...wurde dies Anfang des Milleniums gar nicht weiter diskutiert, ob zur Neutralität auch das Wählen gehört. Wie in diesem ->Wachtturm-Artikel

Würden die damaligen Richter heute auf die Homepage der Zeugen Jehovas schauen, würden sie u.a. auch dies hier finden:

"Jehovas Zeugen sind aus religiösen Gründen politisch neutral und orientieren sich dabei an der Bibel. Wir sind keine Lobbyisten, wählen weder eine Partei noch einzelne Kandidaten, bewerben uns nicht um politische Ämter und stellen uns auch nicht auf die Seite irgendeiner Opposition..." ->Quelle

Komisch das dies auf einmal nicht mehr relevant sein soll - Verjährung?

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Diese kleine Exkursion in die „theokratische Kriegslist“ habe ich in diese Thematik mit einberaumt, um zu verdeutlichen wieso ein ZJ z.B. niemals sagen würde, das es auch Ängste sind („Blutschuld“, „Ungläubige“, „Abtrünnige“, „Zweifel“, „Diener des Teufels“, „Harmagedon“, „Gottes Zorn“, „Dämonen“ etc.), die einen ZJ in seiner Gruppierung halten, bzw. einen ZJ so werden lässt, wie er eben ist.
 

Nach außen hin sagt er, er tue es aus Liebe zu Gott und zu seinen Nächsten – das er dabei aber gleichzeitig emotional erpresst wird, rein technisch gesehen, wird er auch nicht so empfinden da dies ja Dinge sind vor denen Gott einen warnen will.

Es wird aber dennoch verschwiegen.

 

Diese „volle Wahrheit“ wird denjenigen vorenthalten, weil diese dazu nicht berechtigt sind – denn es sind ja„Ungläubige“ die kein Recht haben die „volle Wahrheit“ zu erlangen.
Wenn ein ZJ an Ihrer Tür klingelt und sie „retten“ möchte, dann will er Sie Stück für Stück in seine Weltsicht einführen, wovor Sie seiner Meinung nach gerettet werden müssten.
 

Dies sagt er aber nicht konsequent von vorne herein, sondern erst nachdem man etwas mehr emotional vereinnahmt wurde, derjenige bekommt dann per Salami-Technik („Scheibchenweise“) übertragen, was auch nur der „Sklave“ will was übertragen werden soll.

Erst am Ende sind sie dann im Besitz der „vollen Wahrheit“, wenn Sie die Ängste eines ZJ emotional übertragen bekommen haben und was sie tun müssen um denen zu entgehen...
 

Eigentlich müsste dieses einen zweiten Untertitel erhalten:

„Alles, was der Zeuge Jehovas Ihnen nicht so sagen würde ...“
Wie z.B. das hier:

 

5.11. Der soziale Status

- Liebe die abhängig macht
 

Wirkliche Freundschaften werden also in der Regel nur innerhalb der Gruppierung gepflegt. Denn die Art und Weise, wie diese „Liebe“ innerhalb der Religion „funktioniert“, soll sich letztlich in den vorgegebenen Rahmen der LK bewegen.
 

Dieser Rahmen gibt des Weiteren den „Sozialen Status“ eines ZJ vor, denn wie schon oben kurz angedeutet ist ein ZJ ist nicht gleich ein ZJ – es gibt die „eifrigen“ und den „schlechten Umgang“. Dieser „Status“ macht sich durch die gegenseitige Achtung, Bestätigung, sowie durch Zuspruch innerhalb der Gruppierung bemerkbar, wobei man auch von dieser in Abhängigkeit geraten kann, was dem Grundbedürfnis nach der sozialen Komponente „Liebe“ angeht.
 

Vor allem wenn man nur mit ZJ im privaten Rahmen sich gegenseitig austauscht, was ja die Regel ist.
 

Außerdem stehen uns in der weltweiten Bruderschaft Väter, Mütter, Brüder und Schwestern zur Seite, deren Liebe unser Leben verschönert... In jeder Versammlung gibt es Brüder und
Schwestern, die sich nach Zuneigung sehnen und Freunde brauchen. Es kann ihnen sehr viel geben, wenn sie unser liebevolles Interesse spüren, und unser Bedürfnis nach Liebe wird auch gestillt.

– WT 15.06.2009, S. 28.

Wer sich mit wahren Christen versammelt und anderen von den begeisternden Wahrheiten erzählt, die er aus der Bibel gelernt hat, der wird feststellen, dass jede noch verbliebene Sehnsucht nach Bräuchen der falschen Religion mit der Zeit verschwindet.– „Was lehrt die Bibel wirklich?“, S. 162.
 

Solange ein ZJ selber nicht erkennt, das die sozialen Komponenten (Freundschaften, Anerken-nung, sozialer Status, gezeigte Liebe) innerhalb der „Bruderschaft“ von der Tätigkeit der Reli- gionsausübung abhängig gemacht werden, welche auch meist nur dann als Quelle der Liebe sich zeigen, wird dieser auch so lange glücklich sein, solange er diese Tätigkeiten nachgehen kann und auch nicht anfängt Dinge zu hinterfragen.


Wenn ein ZJ mal eine Pause bräuchte und sich mal ein paar Monate eine Auszeit gönnen würde (man gibt deswegen ja nicht direkt den Glauben an Gott auf), würde dieser erleben wie der gesellschaftliche Zusammenhalt an seiner Person abbricht und er nach und nach als isoliert dasteht. Auch wenn er dann immer noch ein ZJ ist, würde man dennoch weniger mit ihm zu tun haben wollen. Wieso nur?
 

Weil es mit zum besagten Rahmen gehört, den die Leitende Körperschaft vorgibt, wann ein aufrichtiger ZJ mit wem innerhalb der Gruppierung so etwas wie eine „Freundschaft“ pflegen darf:

 

„Wir werden in unseren Emotionen wie auch in unserem Verhalten großenteils von denen beeinflußt, die wir uns als Freunde erwählen. Offensichtlich sind Ungläubige nicht der beste
Umgang. Aber Paulus zeigte hier, daß es sogar innerhalb der Christenversammlung Personen geben könnte, die unerwünschter Umgang sind. Nun, vielleicht macht es dir „Spaß“, mit ihnen zusammenzusein, doch ihr Einfluß wird dir niemals helfen, ‘die Begierden zu fliehen, die der Jugend eigen sind’, oder Gottergebenheit zu entwickeln. Bemühe dich um erbaulichen
Umgang innerhalb der Versammlung.“ – WT 15.08.1985, S. 11.

 

„Sollte es uns überraschen, dass wir uns auch in der Versammlung unsere Freunde gut aussuchen müssen? Eigentlich nicht. Genauso wie an einem Baum nicht alle Früchte
zur gleichen Zeit reif werden, so wachsen und reifen auch in der Versammlung nicht alle gleich schnell. Manchmal macht jemand vielleicht etwas, was nicht in Ordnung ist. Ein anderer ist verbittert oder hat ständig etwas zu kritteln. Man muss also mitunter vorsichtig sein, mit wem man sich umgibt.
In der Versammlung in Korinth lehnten manche bestimmte Lehren ab. Deshalb warnte der Apostel Paulus die Versammlung: „Lasst euch nicht irreführen. Schlechte Gesellschaft verdirbt
nützliche Gewohnheiten“. Und auch Timotheus machte er darauf aufmerksam, dass in der
Versammlung nicht unbedingt immer alle vorbildlich sind. Mit solchen Brüdern sollte Timotheus keine Freundschaft pflegen, sondern sich von ihnen fernhalten...“

– WTG-Buch Bleibt in derLiebe Jehovas (2008), S. 31-32.
 

Auch hier gilt demnach, genauso wie in dem durch Eigenkritik erstellten Selbstbild, eine größere und vor allem positive Resonanz innerhalb der Gruppierung, wenn jemand zum „erbaulichen Umgang“ gehört, „vorbildlich“ ist, der „viel“ macht, was das „Predigen“ und das
aktive Geschehen innerhalb einer ZJ-Versammlung betrifft.

 

Mit einem ZJ der „vorbildlich ist“, erhält dieser auch mehr an sozialer Anerkennung innerhalb dieser Gruppierung. Er wird diese Anerkennung seiner Glaubensbrüder dem der „bösen
Welt“ vorziehen, was jeden anders denkenden Menschen mit einschließt.

 

„Freundschaft mit der (vom “Sklaven“ definierten) Welt, ist (eine vom „Sklaven“ definierte) Feindschaft mit Gott“.
 

„Kann sich der Geist der Welt auch in deinen Gedanken und Gefühlen festsetzen? Wenn du nicht aufpasst, schon (Sprüche 4:23). Oft wird man unmerklich beeinflusst, zum Beispiel durch
Leute, mit denen man zu tun hat und die man vielleicht ganz in Ordnung findet, die aber Jehova nicht lieben.“
- WTG-Buch Bleib in Gottes Liebe, S. 54.
 

Insofern ist ein ZJ, was das menschliche Grundbedürfnis (Liebe) betrifft, von dem „liebevollen“ sozialen Umgang aus und mit seiner Gruppierung in Abhängigkeit geraten.

Erst wenn ein als „schlechter Umgang“ bezeichneter, oder ein inaktiver ZJ wieder als ein aktiver in das „Versammlungsgeschehen“ mitmacht, reguliert dies seine soziale Anerkennung zu einem
gewissen „Normalzustand“ – er würde dann wieder zu dem „guten Umgang“ gehören.
Es ist tatsächlich so, das man trauriger weise einem solch indoktrinierten Menschen, vor allem nicht als Außenstehender, dann keine normale Bestätigung mehr schenken kann, auch nicht einfach weil er nur der Mensch ist der er ist.

 

Der emotionale Selbstwert, den ein ZJ sich selber beimisst, wird somit von den Vorgaben dirigiert, von den Vorgaben jener Publikationen, die letztlich von einem selbsternannten „Sklaven“ stammen.
 

Ein Haustier mag man mögen, weil es einfach nur durch sein natürliches Verhalten das Leben eines Menschen bereichert, weil es einfach nur „da ist“. Oder noch mehr ein neugeborenes Kind als Familienmitglied.
 

Ein getaufter ZJ wird nie wieder in den Genuss kommen, so eine bedingungslose Liebe zu erleben, da die Selbstbestätigung auf anderen Gebieten entweder als „unwichtig, weil das Ende von Satans bösem System nahe ist“ dargestellt wird und als solches aufgefasst wird, oder weil gewisse Dinge als eine „Freundschaft mit der Welt“dargestellt werden, was einer „Feindschaft mit Gott“ gleichkommt.
 

Dies führt zu einem „Teufelskreis“ wo ein „glückliches Leben“ nur in Verbindung mit den Tätigkeiten eines ZJ möglich ist. Ein ZJ glaubt nicht an die bedingungslose Liebe Gottes, da er glaubt, Gott liebe ihn nur wenn er ein aktiver ZJ ist.
 

Jahrelang hatte man das Wort „Weltmenschen“ (alle Nicht-ZJ) geprägt, wovon man zum Glück mittlerweile immer weniger Gebrauch macht, weil es in der WT-Literatur seid 1999 nicht mehr
verwendet wurde. Jedoch hat auch dieser Trend seine gedanklichen Spuren hinterlassen, indem es dem gedanklich schwarz-weißen Schubladendenken einer gesamten Generation geradezu als
Schmierstoff gedient hatte.

 

Nicht-ZJ werden jedoch weiterhin negiert und als „schlechter Umgang“, oder als „Ungläubige“ betitelt. Diese emotionalen Vorgaben erwecken dann den Wunsch, lieber nur in der Gruppierung nach „Anschluss“ zu suchen.

5.12. Kontaktverbot mit Ehemaligen
 

Diese „Liebe“ und „Achtung“, welche diese Glaubensbrüder untereinander aufbringen mögen und diese Organisation erst mal funktionieren lässt, wird auch nie als offizieller Hauptpunkt
bezeichnet, wieso man in dieser Gruppierung mitwirkt (anders wie beim Beitritt) – hier greift man auf die vorgegebenen Ideale zurück, „Gott zu lieben“, „in der Wahrheit zu sein“, o.a.

 

Denn in ihrer Praxis kommt diese „Liebe“ eher etwas zweckgerichteten gleich, welche bei Nichtinteresse an die Religion, Unterlassen der Tätigkeiten eines ZJ, oder beim „Verlassen der
Wahrheit“ ihre wahre Natur zeigt. Besonders in der Kontaktvermeidung mit ehemaligen Zeugen Jehovas wird dies verdeutlicht, wo selbst Familienmitglieder im Regelfall wie
Tote behandelt werden, wenn diese keine ZJ mehr sein wollen, da diese ja „in Harmagedon sowieso umkommen“ werden.

 

Wir reden mit Ausgeschlossenen nicht über unseren Glauben und haben keinen sozialen Kontakt mit ihnen. Im Wachtturm vom 15. Dezember 1981 hieß es auf Seite 24, dass „ein einfacher Gruß der erste Schritt zu einer Unterhaltung und vielleicht sogar zu einer Freundschaft sein kann. Möchten wir bei einem Ausgeschlossenen diesen ersten Schritt tun?“
Fußnote: „Die hierbei geltenden Grundsätze aus der Bibel treffen auch zu, wenn jemand die Gemeinschaft verlässt.
“ – Gottes-Liebe-Buch, S.207


Hier wird erwartet, das die „Loyalität gegenüber Jehova und seiner Organisation“ noch vor der natürlichen Liebe gestellt wird, was der „aufrichtige Christ“ auch tatsächlich umsetzt.
 

Wer Jehova treu sein möchte, sucht nicht nach Vorwänden für Kontakte mit einem ausgeschlossenen Verwandten, der eine eigene Wohnung hat. Aus Herzenstreue gegenüber Jehova und seiner Organisation wird er die biblische Regelung des Gemeinschaftsentzugs nicht unterlaufen.“ – Gottes-Liebe-Buch, S.209

Im Prinzip ist es ein von der LK aufgestelltes Verbot, der natürlichen Liebe nachzugehen.
Wer „Jehova liebt“, der hört mehr auf die Vorgaben seines „Sklaven“ als wie auf sein Innerstes. Also werden diesen Personen eben keine Liebe und keine Beachtung mehr geschenkt. Der wahre Zweck, das eigentliche Motiv dieser Suggestionen von Seite der LK, wann man wen aktiv
zu „lieben“ hat, wird eben nicht benannt.

Es gibt aber noch weitere Vorteile für die LK, wenn die Mitglieder „unter sich“ bleiben.
Einmal beeinflussen sich die Mitglieder gegenseitig, natürlich im Sinneder LK (inklusive des „Bewertungs-Systems“).

 

Gemiedener privater Kontakt zu „Anderen“ (Ehemaligen ZJ, Andersgläubigen oder Atheisten) bietet auch keine Möglichkeiten um an Informationen zu kommen, die Stoff zum veranlassten
Umdenken liefern könnten. Das Fernbleiben von unbeteiligten Außenstehenden verhindert eine dritte Sichtweise, zum Beispiel über die psychologischen Abläufe innerhalb der Gruppierung, welche durch näheren Kontakt durchblickt werden könnten.

 

Dass ein ZJ seine Religion ideell und emotional ernst meint, erkennt man an seiner Tätigkeit innerhalb und in Verbindung mit seiner Gruppierung, aber auch der Beachtung wenn es um die Kontaktsperre zu Ehemaligen ZJ geht.
 

5.13. „Doppelbindung“
 

Weitere Einflüsse deren ein ZJ ausgesetzt ist, sind die vom „Sklaven“ auferlegten „Doppelbindungen“.
 

Darunter versteht man zwei widersprüchliche Aussagen an die sich jemand dennoch zu halten hat, weil er sich den Initiatoren der Doppelbindung z.B. „verpflichtet“ fühlt.
 

Bindet man einen ZJ an zwei Aussagen die sich widersprechen, so bewirkt dies, das egal was dieser auch macht, er das Gefühl hat etwas falsch zu machen, was aufgrund der erworbenen Selbstkritik ein schlechtes Gewissen initiiert – das schlechte Gewissen soll dann durch
die vom Sklaven vorgeschriebene Taten wieder verdrängt werden.

 

Ein ZJ wird mit der „allgemein formulierten“ Sprache offiziell, aber auch nur dem Anschein nach, zu nichts gezwungen – das bewusst initiierende „Lesen zwischen den Zeilen“ jedoch führt zu den Rückschlüssen, die einen ZJ das Gefühl geben sollen doch „mehr“ zu tun, sich zu verpflichten oder sich zirkuläre Gedankengänge anzueignen, oder eben zwei widersprüchliche Aussagen annehmen.
 

Diese werden teilweise schon bei der Indoktrinierung übertragen, später noch weitere.


Die damit geschürten Gefühle des „Zweifels“ lassen dann einen ZJ sich nicht immer gut fühlen. Solche bewusst geschürten Zweifel, auch wenn diese nicht offen gepredigt werden, sollen bewirken, das das Mitglied weiter an den Mechanismen teilnimmt, welche eigens dazu konstruiert wurden, damit die Durchführung der Interessen des „Sklaven“ (was als „Gottes Wille“ verkauft wird) das Mitglied sich „besser fühlen“ lassen.
 

Beispiel 1: Wir wissen nicht wie Gott heißt, aber der wahre Gott heißt „Jehova“.

 

1. Bindung: Gottes Name lautet „Jehova“.
2. Bindung: Gottes Name lautet nicht „Jehova“.

 

An beide Aussagen muss ein ZJ sich halten, verschleiert aber diesen Widerspruch durch fadenscheinige Erklärungsversuche, womit eine dieser beiden Aussagen außen vor gelassen werden soll. Der Name „Jehova“ ist in den Augen der ZJ ein entscheidender Punkt, da die
Verwendung des „wahren Gottesnamens“ ein Merkmal für die „Wahrheit“, der „wahre Anbetung“ sein soll. Dabei wird im Anhang des HBSH (S. 195) eigentlich erklärt, dass man sich dessen bewusst ist, das niemand den „wahren Gottesnamen“ kennt, weil niemand mehr weiß
wie er ausgesprochen wurde:

 

„Aber warum wird er dann (red. Hinweis: „er“ = der Gottesname) in Bibelübersetzungen immer wieder weggelassen und durch Titel ersetzt? Dafür scheint es zwei Hauptgründe zu geben. Erstens wird oft gesagt, dass der Name Gottes nicht gebraucht werden soll, weil man heute
nicht mehr weiß, wie er ursprünglich ausgesprochen wurde.
Alt-hebräisch wurde ohne Vokale geschrieben. Deshalb ist man heute nicht sicher, wie die Menschen in biblischer Zeit JHWH aussprachen.“

 

Dieses „deshalb ist man heute nicht sicher,“ trifft es eigentlich ziemlich genau. Dennoch wird darauf bestanden, als bestehendes Faktum dargestellt, dass Gott „Jehova“ heißt:
 

„In der Bibel steht aber auch, dass Gott einen Eigennamen hat: Jehova. In Psalm 83:18 heißt es: „Du, dessen Name Jehova ist, du allein, [bist] der Höchste . . . über die ganze Erde.“ In vielen Bibelausgaben ist dieser Name jedoch nicht zu finden. Warum das so ist, kann man im Anhang auf Seite 195 bis 197 nachlesen.“ – S.13.
 

Das Gott „Jehova“ heißen soll, ist genau genommen eine Doppelbindung: „Wir wissen nicht genau wie Gott heißt, aber der wahre Gott heißt „Jehova“.

Und wer ließt schon den Anhang? Das Gott im AT mit 100%iger Sicherheit nicht „Jehova“ genannt wurde ist feststellbar, wenn man sich einmal mit der tatsächlichen Entstehung
von dem Kunstwort „Jehova“ beschäftigt – mehr dazu im Kapitel sieben, wo auch die tatsächlichen Gründe für das Fernbleiben von „Jehova“, aus den meisten Bibeln zumindest, benannt werden.

 

Fakt ist, dass ein Kunstname als der „echte“ Gottesname verwendet, verehrt und angebetet wird. Ein ZJ lässt aber nicht zu, dass die mit diesem Namen verwobenen Emotionen und Wertvor-stellung, das diese, obwohl es sich um ein Kunstwort handelt, relativiert werden.
Es wird ganz profan einfach nicht drüber gesprochen das der Name falsch ist, so dass man den Sinn dafür verliert, es eigentlich mit einem Ersatznamen zu tun zu haben.

 

Wer mit diesen Namen bestimmte Gefühle hat initiieren lassen, der empfindet künstlich erzeugte und damit subjektive erlebte Gefühle zwar als eine Realität, vergisst aber in dem Fall, das diese nicht aufgrund einer Tatsache entstanden sind, sondern auf einer unbegründeten Annahme sowie einem suggestiven Initiator dieser Emotionen.
 

Und Gefühle für einen Kunstnamen sind kein Beweis dafür, dass der Name echt ist, nur weil die Gefühle einem „echt“ vorkommen mögen. Aber das versuchen Sie mal jemanden zu erklären, der emotional vereinnahmt wurde.
Mit Logik hat das nichts zu tun – schon gar nicht mit einer gut fundierten Erklärung.
Dennoch „dient“ man „Jehova“, obwohl man weiß, dass Gottes Name gar nicht so lautet – daher hier meine Eingliederung in die Doppelbindung.

 

Beispiel 2: Gott und „seine Organisation“.
 

1. Bindung: Man ist „nur“ Jehova verpflichtet:
„Wenn wir uns Jehova hingeben und für ihn leben und nicht für irgend jemand oder irgendetwas anderes, werden wir ein weit glücklicheres Leben führen, als es sonst der Fall wäre."
– WT 15.01.2010, S. 6.

2. Bindung: Die Verwendung der Studienhilfsmittel der „Organisation Jehovas“ ist ein Akt der Anbetung:
„Wenn wir über die Bibel nachdenken und die Studienhilfsmittel der Organisation Jehovas verwenden, öffnen wir Jehova unser Herz (Ps. 62:8). Solch ein Studium stellt einen Akt der Anbetung dar, durch den wir unsere Ergebenheit Jehova gegenüber zeigen und unsere Bindung zu ihm stärken (Jud. 20, 21).“ – „Unser Königreichsdienst“ 03.2011, S. 4

 

Beispiel 3: Der „freiwillige“ Predigtdienst.
 

1. Bindung: Der Predigtdienst ist „freiwillig“.
 

2. Bindung: Wer nicht predigen geht ladet „Blutschuld auf sich“.
 

Die Folgen dieses inneren Konfliktes wurden bereits im Kapitel betrachtet, wollte ich aber, der Vollständigkeit wegen, hier mit eingliedern.
 

Beispiel 4: „Beurteilung anderer Religionen“
 

1. Bindung: ZJ beurteilen nicht wer gerettet wird.
 

„Wie die Gläubigen vieler anderer Religionen hoffen Jehovas Zeugen, gerettet zu werden. Sie glauben aber auch, dass es nicht ihre Sache ist, zu beurteilen, wer gerettet wird.
Letztendlich ist Gott der Richter, der entscheidet.“ - WT 01.11.2008 (öffentl. Wachtturm), S.28.

 

2. Bindung: ZJ beurteilen wer vernichtet wird.
 

Interner Wachtturm:
„Milliarden Menschen gehören heute den verschiedensten falschen Religionen an, die alle im alten Babylon ihre Wurzeln haben (1. Mo. 11:6-9). Die Gesamtheit dieser Religionen wird
als „Babylon die Große, die Mutter der Huren und derabscheulichen Dinge der Erde“ bezeichnet... Man braucht sich wirklich nicht zu wundern, dass Jehova Gott die falsche Religion
bald von der Erde verschwinden lassen wird! (Offb. 18:8).“ – WT 15.06.2008 , S. 9.

 

„Zu Beginn der großen Drangsal wird etwas geschehen, was die meisten Menschen auf der Erde zutiefst erschüttern wird: Die gesamte falsche Religion wird vernichtet. Jehovas Zeugen wird
das nicht erschüttern, denn sie haben es lange herbeigesehnt.“ – WT 15.10.2000, S. 16

 

Beispiel 5: „Satans Einfluss“
1. Bindung: Satan muss nicht den persönlich beherrschen, der „Widerstand leistet“.
2. Bindung: Satan beherrscht die „ganze Welt“.

 

Man beachte das „das heißt nicht“, sowie das „aber“:
 

„Das heißt nicht, dass diejenigen, die uns Widerstand leisten, persönlich von Satan beherrscht werden. Aber Satan ist der Gott des gegenwärtigen Systems der Dinge und die ganze Welt liegt
in seiner Macht (2. Korinther 4:4; 1. Johannes 5:19).“ – „Was lehrt die Bibel wirklich?“, S. 120.

 

Beispiel 6: „Das Beste ist gut genug“ - ein anderer Aspekt des „predigen“- müssen ist dessen Häufigkeit.
 

1. Bindung: Predigen ohne Druck – „und sollte nicht so aufgefasst werden, als würden wir in irgendeiner Form nicht genug tun“
2. Bindung: Predigen mit Druck: „Solange wir versuchen immer unser Bestes zu geben...“.

 

Der Leser beachte das „solange“:
 

„Bei einem Wettrennen werden die Läufer oft von Zuschauern angefeuert. Ihre Absicht dabei ist, die Wettläufer zu motivieren,das Ziel zu erreichen, und nicht, sie zu demoralisieren.
Genauso ist es auch mit dem biblisch untermauerten, wiederholten Aufruf, dringend zu predigen (ob durch die Zusammenkünfte oder die Publikationen):
Er ist zu unserem Guten und sollte nicht so aufgefasst werden, als würden wir in irgendeiner Form nicht genug tun (2. Tim. 4:2). Solange wir immer versuchen, unser Bestes zu geben, können wir fest darauf vertrauen, dass uns Jehova unsere „Arbeit und . . . Liebe“ hoch anrechnen wird (Heb. 6:10)."

– „Unser Königreichsdienst“ 07.2010, S.2
 

Wenn man wirklich nicht die Absicht hat, das jemand etwas „falsch“ auffasst, wieso verwendet man dann doch solche Formulierungen, wo genau das übertragen wird, was angeblich nicht so aufgefasst werden soll...?
 

Wieso wird einerseits der Anschein erweckt, man solle nicht das Gefühl bekommen „man tue zu wenig“, dann aber direkt im Anschluss eine Formulierung wählt, wo der Empfänger der
Nachricht aufgrund der Eigeninterpretation seiner individuellen Möglichkeiten (sein „Bestes“) automatisch das Gefühl bekommen wird, das er „zu wenig“ tue, dies aufgrund des übertragenen
kritischen Selbstbildes und der bewussten Nominalisierung von etwas Undefiniertem?


Es ist ein Widerspruch wo der betroffene Leser für sich denkt „aha, Druck soll abgebaut werde“, aber seine Gefühlswelt ihm sagt, das genau das Gegenteil erreicht wurde...


5.14. Verknüpfungen übergriffiger Natur


„Ein Zeuge Jehovas wird jede Kritik an seine Religion persönlich nehmen, da das, was er liebt und sein Vertrauen geschenkt hat, „angegriffen“ wird. Es gibt für ihn ja auch nichts anderes.“
 

Das, worauf sein Fokus gerichtet ist, sein Leben in und mit dieser Organisation, wo er sein Herz mit verwoben hat, was dann aber kritisiert wird, ist es so als wenn man ihn selber angreift.
Jeglicher sachlicher Hinweis wird dann manchmal sogar als ein „Hass“ gegen seine „Wahrheit“ empfunden – schon im Vorfeld, noch bevor er die Fakten kennt.

 

Ähnlich wird vielleicht ein ZJ empfinden, der hier diese Seiten liest.
Nennt man berechtigte Gegenargumente, verlaufen sie meist ins Leere – denn diese betreffen meist die Informationsebene, aber nicht die Gefühlsebene, da wo die Wurzeln verlegt sind, oder da wo der „Hund wirklich begraben liegt“.


Folglich werden Argumente immer widerlegt, egal wie richtig sie sind.
Man „hängt an den Pullover“, egal wie hässlich er ist. Diese Emotionale Vereinnahmung ist meist schon abgeschlossen, noch bevor man als ZJ getauft wurde.
Ich muss also anmerken, das auch hier die unbewusste Ebene, welche zu 70% die Entscheidungen beeinflusst, von dieser Anpassung an die Gruppierung betroffen ist.

 

Die viel wesentlichere Anpassung an die Gruppierung, findet also auf der emotionalen Ebene statt und wurde unbemerkt vorgenommen.
In der Regel verliert man da kein Wort drüber, weshalb ich hier nicht auf Wachtturm-Zitate zurückgreifen kann – ZJ werden über diese unbewussten Mechanismen natürlich nicht unterrichtet.

 

So einer sagt sich lediglich, das „das Herz erreicht wurde“, um dann um diese Thematik des Unterbewusstseins ein sprachliches Siegel vorzusetzen, um in einer Art Gedankenstopp sich keine weiteren Gedanken darüber zu machen, was einen Menschen wirklich in dieser
Religion halten mag.

 

Man ist dann eben „zur Wahrheit richtig eingestellt“.
Klar ist, das eine Organisation, welche auf unbewusste psychologische Mechanismen aufgebaut ist, diese aber als Gottes Wirken verkauft, nicht darauf erpicht ist ihren Mitgliedern diese Mechanismen aufgeschlüsselt darzustellen, als wie es hier im Kapitel der Fall ist.

 

Das so selbst die „Liebe“ als ein Klebstoff zur Gruppierung und die später vorgenommene Prägung, das diese empfundene Liebe durch ein „Zurückgeben an Gott“ mit dem Gehorsam zur LK und ihrer Organisation verbunden ist, macht deutlich das die unbewusste Ebene
definitiv verändert wurde. Ohne das man es bewusst wahrgenommen hatte.

 

Denn zu glauben, dass man Gott nur durch die Mitgliedschaft bei den ZJ richtig dienen und anbeten kann, nur bei denen „Harmagedon“ überleben kann, ist weder normal, noch entspricht dies einer biblischen Aussage.
 

Die empfundene (erzeugte) Liebe wird mit einer Liebe zu Gott gleichgestellt, wird aber dennoch mit dem Gehorsam an die LK verwoben, obwohl das eine mit dem anderen nichts zu tun haben sollte.

 

Wie kann man einen Menschen in seinem Selbstbild verändern?
Man braucht nur die nötigen Antipathien und Sympathien neu koordinieren. Wie?

 

Z.B. so:

Verknüpfungen emotionaler Natur sind dabei eine willkommene Hilfe, um die Neigungen im Herzen des Studierenden zu verändern, dies „in aller Liebe“.
 

Es ist allgemein bekannt, das Kinder durch das erstellen mit Verknüpfungen besser lernen, als wenn man etwas ohne Hilfe auswendig lernen müsste. Beispiel:
 

Aus der Musikschule kennt man die Verknüpfung, das das tiefe C ganz unten ist deshalb so gut, weil das Kind in der Phantasie sich ein Clown (C wie Clown) im Keller vorstellen soll, welcher dann auch noch Cäsar oder Charly heißt, wegen denselben Anfangsbuchstaben.
 

Ganz schnell kann man so die Noten vom tiefen zum hohen C’ beibringen, in dem man den Noten alle Namen gibt. Eine sinnvolle Verknüpfung erstellt die Verbindung von etwas bereits
Bekanntem (Clown) zu etwas neu gelernten (Note C).

 

Solche vorgegebenen (oder eigens erstellte) phantasievolle Hilfen können in jedem Schulfach zu verblüffenden Lernergebnissen führen.
An solchen Lern- und Lehrmethoden ist an sich nichts auszusetzen, wenn es allein um das festhalten von Informationen gehen würde.
Auch Bibelwissen darf in Form von reinen Informationen mit solchen Lernhilfen auswendig gelernt werden. Z.B. kann man sich ganz gut merken, dass „Amos“ das 30.Bibelbuch ist, indem man das „m“ aus A(m)os gedanklich so weit dreht (90° im Uhrzeigersinn), das eine „3“
daraus entsteht. Zusammen mit dem „o“ = „0“ („null“), ergibt es eine„30“ (A“mo“s = A“30“s)... dies allein macht also keine Suggestion aus.

 

Aber solche Verknüpfungen sind auch in anderen Bereichen möglich, nicht nur im Lernprozess von Informationen, sondern auch auf emotionaler Ebene.
 

Noch ein wesentlicher Unterschied ist der, dass man ohne zu fragen diese Methode, die Übertragung von emotionalen Bewertungen auf den „Studierenden“ anwendet, ohne das dieser sich dessen bewusst ist.“
Jeder Mensch geht daran für sich persönlich diese innerlichen, emotionalen Verknüpfungen zu konstruieren – es war ja bereits von den emotionalen Markern die Rede.

Bewusst kann man eine emotionale Bewertung vornehmen, wenn es z.B. um Lieblingsmusik geht, dass man bestimmte Bandnamen mit der Musik dahinter zu verbinden weiß und ob sie einen gefällt.
Unbewusst ist dies der Fall, wenn es z.B. um Familienmitglieder geht und eine emotionale Bindung mit lieben Menschen die einen etwas bedeuten einen natürlichen Aufbau erlebt haben, ohne selber dran beteiligt zu sein. Daher unbewusst.

 

Was wäre aber nun, wenn man bei einem Menschen eine positive Emotion zur Auslösung einer neuen Meinung, ohne sein Wissen zu legen versucht? Wenn man ihn in eine bestimmte Richtung lotsen möchte, das man seine Erwartungshaltung für eine Sache gewinnen
möchte, dies möglichst harmlos klingend, da ja niemand vermuten soll das er sich öffnen soll?


Man bräuchte dazu etwas allgemein Bekanntes, wovor kein Mensch Angst hat, was man als ein inneres Gefühl hervorrufen kann. Zum Beispiel die Gefühle die bei einem „schönen Geschenk“ aufkommen...
 

WTG-Buch „Was lehrt die Bibel wirklich?“, Seite 18:
 

„Stellen wir uns vor, ein guter Freund überrascht uns mit einem sehr schönen Geschenk. Sind wir da nicht ganz begeistert und gerührt zugleich? Schließlich verrät ein Geschenk ja etwas über den Geber: Es beweist, dass ihm unsere Freundschaft viel bedeutet. Bestimmt sind wir ihm von
Herzen dankbar und zeigen ihm das.“

 

Hier könnte ich wiederholt die Frage stellen, ob man es hier noch mit einem sachlichen Buch zu tun hat, welches allein Informationen liefert. Wenn man diesen Abschnitt für sich liest, sollte man sich nach dem Sinn in diesem fragen und nach der Verbindung zu einem „Bibelstudium“ suchen.
 

Auf der unbewussten Ebene spielt sich aber weit mehr ab. Unweigerlich wird der Leser emotional in die Situation versetzt, als wenn er ein „schönes Geschenk“ bekommt – genauso genommen ist es m.E. der eigentliche Sinn dieser Aktion.
 

Man baut auf eine persönliche emotionale Erfahrung aus, die jeder kennt – aber auch jeder emotional zu bewerten weiß. Man versteht diese Wortblume nur, in dem man die implizierten Emotionen bei sich selber aufkommen lässt.
 

Zusammen mit dem „väterlichen“ Schreibstil soll noch zusätzlich eine bewusst liebevolle Stimmung erzeugt werden. Aber auch um den inneren Gemütszustand des Studierenden für die auf ihn zukommenden Lehrinhalte zu öffnen. Innerlich ist man dann neugierig und ist gespannt, so dass man seine inneren Logikbarrieren runter fahren mag.
 

Ein weicher Start, eine Suggestion, um einen harmlos anmutenden Prozess zu starten, welcher Beeinflussung heißt.
Der Leser selber möge sich fragen, welche Emotionen bei ihm persönlich bei einen gut gewählten Geschenk auslösen mögen, und ob er dabei einen Freund gegenüber sich kritisch oder misstrauisch verhält – ich denke mal eher nicht.

 

Es bleibt der Schluss: Es ist dieses innere emotionale Bild, was man versucht zu erzeugen auf das es der „leitenden Körperschaft“ (LK) hier ankommt. Aufmerksamkeit wird erweckt. Das Herz wurde angesprochen. Liebe kommt rüber...
 

Ist die Logik dann entwaffnet, so kann man getrost im weiteren Verlauf nach Vorgabe des Buches fortfahren, denn von der Verknüpfung war ja noch gar keine Spur. Womit soll also dieses innere emotional positiv geladene Bild verbunden werden?
 

Das gleiche Buch, gleiche Seite, einen Absatz weiter:

 

„Auch die Bibel ist ein Geschenk. Sie ist ein Geschenk von Gott, für das wir wirklich dankbar sein können...“


Der „Studierende“ hat vielleicht noch nie in seinen Leben in der Bibel gelesen. Er weiß erst mal gar nicht sicher ob überhaupt etwas an der Bibel „dran sein“ soll, was vermuten lässt das die Zielgruppe hier idealerweise keine Informationen aus Bereichen wie der Exegese,
Bibelkritik oder christlicher Theologie eingehender durchgenommen hat.

 

Der „Studierende“ ist idealerweise leichtgläubig und uninformiert.
Solche sind ein idealer „Boden“ um solche positiven Bezüge aufzubauen, weil ganz einfach die Unvoreingenommenheit vorherrscht. Wie ein unbeschriebenes Blatt Papier. Wenn ein Mensch ohne Vorbehalte mit dieser Thematik konfrontiert wird, der wird, so harmlos dieser Vorgang auch anmuten mag, von diesem Bild des „schönen Geschenkes“ befangen, bzw. er durchlebt
die Wirkung welche der Aufruf dieses inneren Bildes erzeugen soll.

 

Gleiches Buch, gleiches Kapitel, S.26:
 

„Die Bibel ist wirklich ein Buch von Gott. Wir sollten sie lesen, studieren und lieben lernen. Bedanken wir uns für dieses Geschenk Gottes, indem wir uns auch weiterhin damit befassen.“
 

Dieselben positiven Emotionen sollen nun einerseits auf die Bibel übertragen werden, obwohl der Studierende noch gar nicht wissen kann, ob er persönlich die Bibel mit denselben schönen Emotionen der Dankbarkeit verbinden will.
 

Er wird gar nicht danach gefragt, sondern diese Verknüpfung wird in ihm einfach geebnet, ob er möchte oder nicht. Wer würde schon hinter diesen schönen Worten eine emotionale
Manipulation vermuten?

 

Etwas völlig anderes wäre es, wenn jemand von sich aus dies als solches beschreiben würde, sofern er selber tatsächlich so empfingen mag. Besser wäre es einen Studierenden selber zu einer emotionalen Bewertung kommen zu lassen, als sie bewusst vorwegzunehmen, sprich zu übertragen, indem man diese mit einer retrospektiv emotionalen Erinnerung koppelt, was sich in der Biochemie des Großhirnes verankert...
 

Die erlangte emotionale Bewertung der Bibel wurde nicht authentisch vorgenommen. Genauso wie in diesen Beispielen, aus denselben Buch:
 

„Wie wir gleich sehen werden, ist dieses Lösegeld das wertvollste Geschenk überhaupt, weil es uns unvorstellbar glücklich machen kann und wichtiger ist als alles andere in unserem Leben. Das Lösegeld ist wirklich der größte Beweisder Liebe Jehovas zu uns Menschen.“ – S. 47.
 

„Sehen wir uns kurz an, wie es sich auswirkt, wenn der Tod zuschlägt. Dann schätzen wir noch mehr, dass uns Jehova etwas verheißen hat, was uns sehr glücklich machen wird.“ – S 67.
 

„Wenn wir ihn auf die richtige Weise anbeten, werden wir glücklich sein und uns viele Probleme ersparen.“ – S. 144.


„Wir können uns darauf verlassen: Wenn wir für die wahre Anbetung eintreten, werden wir sehr glücklich sein“ – S. 162


„Ein Leben der Hingabe an Jehova dagegen macht dauerhaft glücklich“ – WT 15.01.2010, S. 7.
 

Besser und authentischer wäre es, solche emotionalen Bewertungen den Studierenden, sowie den Anhängern der Gruppierung, selber vornehmen zu lassen. Doch dies setzt voraus, dass eigenständige und durch selbstständige Überlegungen und Erfahrungen, eigene emotionale
Bewertungen mit eingebracht werden (dürfen).
Jeder Mensch hat eigentlich das Recht dazu, sich über eine Sache eine eigene Meinung zu bilden – hier jedoch wird die Meinung vorweg genommen und dieses Recht per Suggestion übergangen.


Über die Möglichkeit eine eigene Meinung zu bilden wird nicht nachgedacht, weil ein Studierender der Illusion unterliegt, das er durch das „Studium der Bibel“ mit einem ZJ sich gerade eine eigene Meinung bildet – das an ihm eine Fremdübertragung stattgefunden hat, wird er nicht so sagen können, weil ihm diese Möglichkeit, das es überhaupt so etwas gibt, sowie das es funktioniert, schlicht und ergreifend nicht bewusst ist.
 

Es ist zwar in unserem Land nicht verboten mit Hilfe von Suggestionen einen Menschen in seinen Grundzügen so zu verändern das er eine fremde Meinung zu seiner eigenen übernimmt, dies mit offensichtlich suggestiven/manipulativen Methoden, die ohne dem Wissen des zu Beeinflussenden als Technik angewendet werden – so wie sich das
anhört, sollte es jedoch verboten werden.Eine fertige Meinung wird - ob die Art und Weise wie dies geschieht,
legal oder illegal ist, ist nicht die Frage - in den Sinn gelegt, in das „Herz“ eines Menschen, da der Zeuge Jehovas in liebevoller Manier versucht diese emotionalen Gedanken mit dem Werkzeug „Liebe“ zu verinnerlichen.

 
 
 
 
 
 

 

Es erfolgt eine Anpassung, eine Assimilation, von Gedanken und Gefühlen vorgegebener Werte.

Übrigens wird noch in anderen Kapiteln dieses „Studienhilfsmittel“ mit diesem inneren Bild, des „Geschenkes“, sowie mit den psychologischen Prozessen des Schenkens an sich gearbeitet.

 

In mindestens 5 Kapiteln dieses Buches wird mit diesem Begriff und seiner damit verbundenen Erwartungshaltung gearbeitet, dies aufgrund seiner positiv geladenen Assoziation, welche dann versucht wird auf den Studierenden zu übertragen – dies im Sinne des „Sklaven“.

 

Das „schöne Geschenk“ ist aber nur ein Beispiel von vielen, wie diese emotionalen Markierungen per Verknüpfung vorgenommenund übertragen werden. In den nächsten Kapiteln lernt der Lesernoch weitere Methoden kennen.

 

Jetzt ist es aber so, das man ja sich nicht mit den Ansichten desZeugen Jehovas auseinandersetzt, wenn der Interessierte „die Bibelstudiert“, oder doch?

 

Dieser vertraut erst mal nur dem ZJ. Aber wieso vertraut er dann auch dem Buch, dem „Heimbibelstudienhilfsmittel“? Auch das möchte ich mit der Erweiterung des Vertrauens beantworten.

Dieses Vertrauen soll schließlich im Laufe des „Studiums“ auf viele weitere Ansichten erweitert werden. Ich hatte das bereits in der Übersicht in Kapitel 2 angeführt, wo der Studierende nun mal nach und nach in eine Kluft zur allgemeinen Christenheit gezogen wird, wo die Bibel zielgerichtet und zweckentfremdend nur als Werkzeugeingesetzt wird, nur um an diese Organisation zu binden.

 

Das „Paradies auf Erden“ war da ja nur ein Beispiel von vielen, welches an sich so in der Bibel nirgendwo zu finden ist. Zweckentfremdend, gerade weil die Bibel dieses „Paradies“ so in der Form nicht darstellt, daher andere Verse aus ihren Zusammenhanggerissen wurden, um etwas breit zu treten im Sinne der Informationsmanipulation.

 

Noch eine Erklärung, wieso der Studierende sich, wenn es um die Bibel geht, als ein Mensch fühlen soll, der gerade ein „schönes Geschenk“erhalten hat, ist:

Die Bibel soll letztlich zum Werkzeug werden, um einen Anschein zuerwecken, das alles was die Zeugen Jehovas so glauben, auch „von Gott kommt“, womit wir wieder beim Bibelfundamenta-lismus wären. Dies setzt Vertrauen in die Bibel voraus.

 

Daher soll eine Erweiterung des bereits vorhandenen Vertrauensgefühls, was man dem ZJ gegenüber bereits gewährt, auf die Bibel vorgenommen werden. Wenn man dem Menschen vertraut, welcher den Anschein erweckt sich in der Bibel gut auszukennen und dabei auch noch so kompetent erscheinen mag, so darf das, was er „aus der Bibel lehrt“, genauso mit in dieses Vertrauensverhältnis eingeschlossenwerden.

 

Und wenn man dann der Bibel vertraut, dann vertraut man auch ihren Aussagen, genauso wie man den ZJ vertraut. Vertraut man ihren Aussagen, dann vertraut man auch den Aussagen wo der Gehorsam an Gott mit dem Gehorsam an die Leitende Körperschaft gleichgestellt wird.

 

Und so baut sich aufgrund des Vertrauens eines auf dem anderen auf und endet bei der Ansicht, dass die Bibel als ganzes das „Wort Gottes“sei und der „Sklave“ sei von Jesus eingesetzt...

Das Vertrauen zwischen dem ZJ und dem Studierenden wird zu einem Allzweck-Werkzeug der LK. Ohne das auch nur ein einziges Wort darüber verloren wird. Es endet dort, wo es im Interesse des „Sklaven“ zu enden hat:

 

„Wir können darauf vertrauen, dass der treue und verständigeSklave und seine leitende Körperschaft für alles sorgen, was wir brauchen, um im Glauben befestigt zu werden.“

„Unser Königreichsdienst“ 04/2010, S.3.

Ein Fazit: Mit diesem Kapitel wurde ein kleiner Einblick in unsere unbewusste Emotionalität gewährt, über Dinge, über die wir uns im Allgemeinen normalerweise keine Gedanken machen würden, weil sie eigentlich ganz natürlich und von alleine verlaufen. Das Wissen über solche unbewussten Vorgänge kann aber auch ausgenutzt werden:

 

Wo und warum mit Liebe ein uninformierterMenschen am besten in seinen Ansichten und Neigungen verändert werden kann, und wie die Liebe zu einem Werkzeug wird, genauso wie das Vertrauen in einen Menschen gezielt eingesetzt/ausgenutztwerden kann, ist hoffentlich gut rüber gekommen.

 

Vielleicht möchte der Leser noch folgenden Merksatz mitnehmen:

Ein Buch, welches beansprucht die Glaubensinhalte der Bibel zuvermitteln, welches dann aber diesen Anspruch nicht gerecht wird,weil es ungebührlich emotional und persönlich aufgebaut ist und dabei viele Fragen zu ihren eigenen Absätzen stellt die weder etwas mit der Bibel noch mit ihren zweckmäßigen Inhalten zu haben, ist ein Indoktrinierungswerkzeug - aber kein Buch welches sich zu einem authentischen Bibelstudium eignet.

 

 

5.15 Kindsein bei ZJ

Ich habe daher lange überlegt ob ich das Indoktrinieren von Kindern der ZJ in aller Ausführlichkeit mit anführen sollte – ich hätte Stoff für ein ganzes Buch für sich..
.

Beispiel: Eine logische Konsequenz der fundadmentalistischen Regeln bei Jehovas Zeugen ist, das es bei den Kindern und Jugendlichen (Teilweise bis ins Erwachsenenalter hinein) eine allgemeine Tatsache vorherrscht, dass diese zum großen Teil ein „Doppelleben“ führen, in dem sie entgegen der geforderten Maßstäbe in heimlicher Manier Wege finden, ein Stück Freiheit zurück zu gewinnen.

Einer meiner leiblichen Brüder war ein Organisator berüchtigter „Zeugen Jehovas Partys“. Allein dieses Spektrum wäre ein Kapitel für sich wert, wenn man bedenkt was in den Köpfen vorgehen muss, wenn man eigentlich etwas macht wovon man eigentlich glaubt das es Gott nicht gefällt....
 

Was den Glauben von JZ-Kindern an sich angeht:

Wenn die Methoden der Indoktrination verstanden wurden, dann wird klar dass diese bei Kindern um einiges leichter fallen, da die Logik wegfällt sowie das Wissen und die Grundlagen zum kritischen Hinterfragen fehlen.
 

Das Urvertrauen eines Kindes zu seinen Eltern ist nun mal noch was ganz anderes wie der mühevolle Vertrauensaufbau an den Türen der Leute wo man „predigen“ geht.
An dieser Stelle möchte ich nur mal andeuten, das die natürliche Entwicklung eines Kindes schon viel früher belastet wird (mit Ängsten wie vor „Dämonen“ oder „Harmagedon“), als wie es für die Seele eines Kindes förderlich wäre.

Druck der Eltern auf das Kind, regelmäßig die Versammlungen und die Kongresse zu besuchen, das Kind in „der Wahrheit erziehen“ obwohl es lieber etwas anderes tun würde, die Desozialisierung von der „bösen Welt“ was eine innere Kluft zu Andersgläubigen oder generell zu „Nicht-ZJ“ darstellt, sollen hier nur einmal die gravierendsten Faktoren andeuten, welche in die natürliche Entwicklung des Wesens des Kindes mit eingreifen.

Hinzu kommend der Druck in der Schule "anders zu sein", weil man keinen Anteil an Geburtstagen von Schulfreunden haben darf, oder auch Dinge wie Weihnachten nicht mitmachen darf, was den Kunstunterricht (Bastelleien), oder auch Musikunterricht betrifft (Singen von Weihnachtsliedern). Schnell wird man im in höheren Klassen auch ausgegrenzt oder gemobbt, was natürlich von Schule zu Schule anders ist.


Das Selbstwertgefühl des Kindes soll ganz klar in eine Abhängigkeit geraten – je mehr es „auf Jehova hört“ (was der „Sklave“ dann sagt wie das Kind dies dann am besten macht) um so mehr Lob und Anerkennung wird es von den Eltern erhalten. Fertig ist eine tiefgreifende Prägung im Sinne einer Beeinflussung.

Das bedeutet, das der „Sklave“ verlangt, das die gegebene natürliche Beziehung zu einem
Kind dahin gehend ausgenutzt werden soll, damit die Eltern ihre Kinder indoktrinieren, sie darauf vorbereiten sich den emotionalen Mechanismen dieser Gruppierung anzupassen.

 

Die Neigung des Menschen, sein Urvertrauen aus der Mutterbeziehung heraus in der Phase des Abnabelns, auf andere Menschen zu übertragen, wird aufgrund der Vorgaben des Sklaven in seinem natürlichen Verlauf gestört, was weitere gravierende Auswirkungen auf das spätere Leben auslöst.

 

Es gibt dazu spezielle „kindgerechte“ Veröffentlichungenseitens der „WTG“, wo gezielt die „kindliche Logik“ eingesetzt wird, um die Ansichten und Lehren des „Sklaven“ zu übertragen, welche Eltern mit ihren Kindern durchgehen sollen.

Hier mal ein Beispiel - link zu ->"Unsere kleine Bibelstunde".
 

Die Komplexität der Entwicklung eines Kindes, sowie den Einfluss des „Sklaven“ auf die Seele eines Kindes, der somit nicht minder komplex sein kann, wollte ich hier nur einmal andeuten.
 

Im Grunde wird jedoch alles, damit meine ich auch wirklich alles, was der Leser auf diesen Seiten an manipulierenden Methoden vorgestellt bekommt, auch auf die Kinder und Jugendlichen der ZJ angewendet.
Auch die Ansichten, das Weltbild und die daraus resultierenden Forderungen, welchen man normalerweise nur Erwachsenen zumuten würde, werden auf das Kind übertragen.
Daraus folgt das man von den älteren Kindern erwartet das diese ebenso predigen gehen.

 

Gibt man einen Kind Liebe, Lob und Anerkennung, dann macht es alles was die Eltern wollen – auch wenn es dabei einen Teil seines natürlichen Wesens aufgibt.
Das Kind, was es hätte sein können, wird es bei ZJ nie geben – es wird verändert, im Sinne des „Sklaven“. Aber was weiß schon ein Kind...

 

Diese Thematik möchte ich in einem zukünftigen Werk (so „Gott will“) weiter ausbauen, welches, wie schon gesagt, speziell für den Aussteiger sein wird (sowie für Seelsorger oder Psychotherapeuten die sich mit der Thematik befassen).

 

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